01.06.2021

Mutige Fotografin Mi A 1163Foto rechts: Inventar-Nummer des VfdGB: Mi-A 1183: Mutige Fotografin auf dem Turm des Stadthauses vor der Fertigstellung 1911

Vor etwa zwei Jahren berichtete ich an dieser Stelle (Mitteilungen 4/2019) über die Anfänge unseres Digitalisierungs-Projekts, das wir am 25. März 2019 begonnen haben. Nach vier Monaten war ich damals bei etwa 1 000 Eingaben angekommen, und ich wandte mich mit meinem damaligen Bericht auch mit einem Aufruf zur tatkräftigen Unterstützung an Sie. Mit Melanie Simons und Bernd Engelke meldeten sich schnell zwei weitere Foto-Enthusiasten, und nach einigen Proberunden gingen wir gemeinsam an die Fortsetzung. Aus zunächst geschätzt 10 000 im Archiv vorhandenen Abbildungen aus Mitte sind inzwischen weit über 13 000 eingegebene Archivalien geworden. Da sich trotzdem noch große Lücken bei den wichtigsten Gebäuden und Straßenansichten auftaten, habe ich mich entschlossen, meine eigene Foto- und Ansichtskartensammlung von Berlin-Mitte gleich noch mit hinzuzugeben, so dass wir am Ende dieses Jahres bei ungefähr 15 000 Digitalisaten angekommen sein werden.

Nach Beginn der Coronavirus-Pandemie zerlegten wir die Arbeitsprozesse in die Schritte „Scannen“, „Zuordnen und Katalogisieren“ und „Eingabe in das Verwaltungsprogramm“ und zogen uns mit den Materialien ins Home-Office zurück. Das beschleunigte den Aufbau des Archivs erheblich, da uns die Lockdown-Phasen über viele Monate immer wieder an die häuslichen Schreibtische zwangen. Und so gelang das, was vorher unerreichbar schien: Alle Dokumente, Fotografien, Ansichtskarten und Reproduktionen aus dem Ortsteil Mitte, die Martin Mende und seine Vorgänger über Jahrzehnte zusammengetragen hatten, lagern nun auf unseren Festplatten und warten mit einer bedienungsfreundlichen Anwendersoftware auf interessierte Betrachter und Benutzer. Allein der Bildbestand umfasst inzwischen mehr als 20 Gigabyte.

Nach fast zweieinhalb Jahren Arbeit laden wir jetzt alle Mitglieder unseres Vereins ein, mit dem digitalen Fotoarchiv zu arbeiten und nach seltenen Ansichten zu suchen. Urheberrechtliche Beschränkungen lassen es leider nicht zu, Ihnen das digitale Fotoarchiv frei im Netz zugänglich zu machen. So sind zwar tausende unserer Fotos gemeinfrei und einer Veröffentlichung stünde nichts im Wege, aber genauso viele stammen auch aus den letzten 50 Jahren, und ihre Schöpfer sind namentlich bekannt. Ein Beispiel zur Illustration: 2010 haben wir zahlreiche Fotografien, Dias und auf CD-ROM digitalisierte Aufnahmen des aufgelösten Luisenstädtischen Bildungsvereins (LBV) übereignet bekommen. Allein für den Ortsteil Mitte sind das 3 937 Digitalisate, deren Veröffentlichungsrechte aber bei den damals für den LBV tätigen Hobby- und Profifotografen liegen. Diese Aufnahmen stammen alle aus den 1990er Jahren und dokumentieren in anschaulicher Weise den Zustand vieler Straßen und Gebäude in den Nachwendejahren. Sie haben heute, 30 Jahre später, bereits historischen Wert. Wir haben sie inzwischen alle in unsere digitale Fotodatenbank eingegeben.

Nun haben wir uns für Sie aber einen Service einfallen lassen, der Ihnen auch zu Hause einen Einblick in das riesige Konvolut verschafft. Wir haben die gesamte Datenbank Mitte in ein webkompatibles Format konvertiert und auf sieben Datenfelder verkürzt. Auf der Webseite unseres Vereins können Sie die Datenbank durchsuchen und beliebig sortieren. Einziges Manko: Es fehlen die Fotos. Diese können Sie aber dann in unserem Archiv auf einem großen Monitor einsehen. Hier müssten Sie mit mir einen Termin im Fotoarchiv ausmachen. Ich bin Ihnen dann bei der Suche und dem Umgang mit dem Programm behilflich. Sollten die Archivalien keine erkennbaren Urheberrechtsbeschränkungen haben, dürfen Sie die digitale Kopie auf einem mitgebrachten USB-Stick gleich mit nach Hause nehmen.

Während ich in diesem und vermutlich auch noch im nächsten Jahr mit der Eingabe von weiteren Abbildungen aus Mitte zu tun haben werde, arbeiten Melanie Simons und Bernd Engelke schon an anderen Ortsteilen. Melanie Simons beschäftigt sich bereits intensiv mit ihrem ‚Lieblingsbezirk‘ Prenzlauer Berg, und Bernd Engelke wird unsere zahlreichen Archivalien zu den Ortsteilen Tiergarten, Moabit und Hansaviertel eingeben. Das wird sicherlich auch zwei Jahre in Anspruch nehmen. Ich werde die Arbeit dann im nächsten Jahr mit Wedding und Gesundbrunnen fortsetzen.
Da Berlin aber aus 98 Ortsteilen in den zwölf Bezirken besteht, liegt noch Arbeit für mehrere Archivar-Generationen vor uns. Wir suchen jetzt schon ein(e) Interessent(in) für die weiteren zentralen Ortsteile Friedrichshain und Kreuzberg. Möglichst jemand, der sich dort auskennt und vielleicht schon eine eigene Fotosammlung aus diesem Bezirk hat. Zusammen mit unseren Archivalien könnten sie digitalisiert und später dann den Vereinsmitgliedern zur Verfügung gestellt werden. Ein paar Stunden Einarbeitung mit Scanner, Laptop (PC) und Software wären nötig, und dann könnte es losgehen. Das Schöne daran: Man kann die Eingaben auf einem 128 GB USB-Stick (den stiftet der Verein) zu Hause auf dem eigenen Gerät machen. Materialien werden im Archiv abgeholt und nach Eingabe gegen neue Materialien ausgetauscht. Was man braucht, ist Spaß am Einscannen, Interesse am Zuordnen der Abbildungen und Lust zum Eingeben in das Archivprogramm und natürlich Zeit. Aber die kann man sich immerhin selbst einteilen. Ich hoffe, ich habe Ihnen etwas Lust auf unser digitales Fotoarchiv gemacht. Sie werden sich wundern, welche Kostbarkeiten bei uns schlummern. Viele Aufnahmen sind Unikate, die Sie noch nie gesehen haben dürften!

MI F261 - Blick von der Inselbrücke entlang des Spreekanals mit der Friedrichsgracht

Sollten Sie an einem Thema oder Projekt zu Berlin-Mitte arbeiten und Abbildungen bestimmter Straßen oder Gebäude suchen, schicken Sie uns einfach eine Suchliste. Nicht alles ist mit der Excel-Liste leicht auffindbar, mit unserer Software aber schon.

Beenden wir unseren Bericht über das Bildarchiv Mitte mit einer Reproduktion einer schönen Aufnahme von 1905 mit einem Blick von der Inselbrücke entlang des Spreekanals mit der Friedrichsgracht auf der rechten und Neu-Kölln am Wasser auf der linken Seite. In der Bildmitte quert die Roßstraßenbrücke den Kanal, in der Ferne grüßen die Häuser von Spindlers Hof an der Wallstraße. Inventar-Nummer des VfdGB: Mi-F 261.

 

Lothar Semmel
Leiter des digitalen Fotoarchivs des VfdGB
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19.03.2021

Die Web-Seiten des Vereins für die Geschichte Berlins e.V. bieten eine Fülle wissenswerter Informationen – aktuell zudem ein neues digitales Medien-Portal: Unsere Mediathek!
Das gesellschaftliche Leben ist seit einem Jahr deutlich eingeschränkt. Die persönlichen Begegnungen anlässlich unserer beliebten Veranstaltungen und Vorträge durften seither nicht mehr stattfinden. Für den VfdGB-Vorstand ein besonderer Grund, seine erfolgreiche Kulturarbeit zur Erforschung der Stadtgeschichte durch eine Mediathek zu ergänzen, in die sich gerne sämtliche Mitglieder mit interessanten Ideen, aber auch mit ihrer eigenen Geschichte oder die ihrer Eltern und Großeltern einbringen sollten.

5. 9. 2020

Im Juni 2020 feierte unser langjähriges Mitglied Gertrud Bayer ihren 100. Geburtstag! Zu diesem freudigen Ereignis wollten wir - selbstverständlich unter Einhaltung aller Hygienevorschriften - Frau Bayer persönlich unsere Glückwünsche überbringen. Die gebürtige Berlinerin erzählte bei dieser Gelegenheit aus ihrem Leben in und mit Berlin.

Nach einer Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin bildete sie sich zur Kauffrau in einer Polstermöbelfabrik weiter. Während des Krieges übernahm sie, da ihr Vorgesetzter eingezogen worden war, die kaufmännische Leitung des Betriebes in der Kommandantenstraße.

Dort befand sie sich auch am 23. Februar 1945, als ein verheerender Luftangriff die unmittelbare Umgebung weitgehend zerstörte. Durch einen Feuersturm machte Frau Bayer sich zu Fuß auf den Weg zu ihren Angehörigen. Die Hitze verursachte derart starke Luftbewegungen, dass sie sich an einer Straßenlaterne festhalten musste, um nicht in das Feuer gezogen zu werden. Über den Spittelmarkt durch die Scharrenstraße wanderte die damals 25jährige zunächst zum Ostbahnhof, um ihrem späteren Mann, der dort als Polizist im Dienst war, ihr Überleben zu berichten. Von dort aus zog sie weiter in Richtung Friedrichshain, um nach ihren Eltern zu suchen, die sie glücklicherweise lebend vorfand. Durch die Luftangriffe waren Ausgebombte allerdings ständig zum Umziehen gezwungen, so dass die Suche einige Tage dauerte.

4. 9. 2020

Lutz Röhrig

 lortzing club2

Bauherrin des Gebäudes, das den Namen Lortzingclub trägt, war Hertha Bartel, welche das Grundstück an der Lichtenrader Lortzingstraße im Jahr 1937 zum Zweck der Errichtung eines privaten Wohnhauses erworben hatte. Auf Grund des Berufsstandes ihres Mannes Paul Bartel – er war leitender Ingenieur der NS – Organisation Todt und hier zuständig für den Autobahnbau – war jedoch auch die Errichtung von Büro- und Repräsentationsräumen vorgesehen. Hierzu gehörten eine doppelständige Garage und ein großes Schwimmbecken im Garten des Hauses. Die offenbar vorhandene Kenntnis von den weiteren Absichten des NS – Regimes sorgten dafür, dass eine aufwendige Luftschutzanlage mit doppelter Gasschleuse und einer besonders verstärkten Massivdecke im Kellerbereich mit eingeplant und ausgeführt wurde. Errichtet wurde das Gebäude in der Zeit von Juli 1938 bis Frühjahr 1939 von dem Architekten Heinrich Sander.

Berliner Geschichte - Die Oranier in Berlin13.07.2020
Übergabe des ersten Exemplars der Ausgabe der VfdGB-Zeitschrift ‘Berliner Geschichte‘, Nr. 22/2020, mit dem Titel „Die Oranier in Berlin“ • Empfang in der niederländischen Botschaft am 25. Juni 2020

Anlässlich eines persönlichen Empfangs in der niederländischen Botschaft am 25. Juni 2020 überreichte Dr. Manfred Uhlitz, Vorsitzender des Vorstands des Vereins für die Geschichte Berlins e. V., gegr. 1865 (kurz VfdGB), gemeinsam mit Dr. Dirk Palm, Geschäftsführer des Elsengold Verlags und VfdGB-Mitglied, und David Hakkenberg, VfdGB-Mitglied, ein quasi druckfrisches Exemplar der soeben erschienenen Ausgabe der ‘Berliner Geschichte‘, Heft 22/2020, an Seine Exzellenz Wepke Kingma, Botschafter der Niederlande in Deutschland. Der Botschafter zeigte sich erfreut und sehr interessiert an den Themen, u.a. „Das niederländische Palais Unter den Linden“, „Hohenzollern und Oranier“ sowie „Das Berliner Schloss und die Oranier“. In einem freundlichen Gespräch, an dem auch die Botschaftsrätin Beate Gerlings teilnahm, waren die guten Beziehungen des Königreichs der Niederlande mit seinem deutschen Nachbarstaat (und umgekehrt natürlich) Gegenstand des Meinungsaustausches. Dr. Uhlitz hatte zuvor über die mehr als 150jährige Vereinsgeschichte informiert, danach stellte Dr. Palm die neue Ausgabe vor und und berichtete über die Historie der Zeitschrift.