Was mir beim Lesen aufgefallen ist, die Ringvereine sind nicht erst in den Zwanziger Jahren "aufgestiegen". Sie waren vor dem Ersten Weltkrieg in der aufblühenden Unterhaltungsbranche Berlins an vielen Stellen involviert und der gesellschaftliche Einfluss dieser Vereine war auf diesen Wege zunehmend erheblich. Der Erste Weltkrieg wurde für diese Vereine zu einer "goldenen Zeit", denn ihre "Agenten" und sonstigen Helfer wurden an allen Orten und Plätzen aktiv, die mit der Versorgung mit Lebensnotwendigen Gütern zu tun hatten. Ich habe im Landesarchiv in vielen Akten diverse Hinweise gefunden, es gab auch eine Spezialeinheit bei der Polizei, die mit den seinerzeit modernsten Mitteln diesen "Agenten" auf den Fersen war. Es ging nicht nur um Lebensmittel, es fehlte an allem und die gut vernetzten Vereine besaßen die notwendige Organisationsstruktur. Die Prostitution wurde im Ersten Weltkrieg zu einem Riesengeschäft und auch der Handel mit Drogen, die in den Lazaretten sehr frei ausgegeben wurden und auch kaum kontrolliert wurde, wohin sie gingen. Es wird oft ein sehr romantisches Bild entworfen was diese Gangsterorganisationen betrifft, aber da war nichts romantisches, es ging um brutales Bussiness, auch wenn die überlieferten Fotos den Eindruck einer Altherrenriege vermitteln mögen. Viele Menschen lebten in den Zwanziger Jahren in bitterster Not und rutschten hierbei in die Kriminalität ab und damit in das Regime der Ringvereine.