Bekanntlich wurden Bücher und Archivunterlagen aus den Ende 1943 zerstörten Vereinsräumen im Deutschen Dom und 1945 den Grüften der Parochialkirche (Auslagerungsort) entwendet. Immer wieder werden Bücher und Archivalien des Vereins von Antiquariaten angeboten. Unser Mitglied Jens-Peter Ketels erwarb außerhalb von Berlin ein Konvolut von 38 Archivmappen und übergab sie während der Jahreshauptversammlung des Vereins am 25. März 2015 zum Verbleib im Vereinsarchiv. Es handelt sich um 27 Unterlagen über Vorträge aus den Jahren 1866-1881 und 11 Mappen zu verschiedenen Themen. Rußpartikel in einzelnen Mappen deuten darauf hin, dass sie wahrscheinlich von unbekannter Hand aus der durch Brände verwüsteten Ruine des Deutschen Doms geborgen wurden. Der Archivbestand aus dem 19. Jahrhundert über Vorträge und sonstige Themen erhöhte sich nunmehr auf 71 Mappen. Die angesprochenen Vortragsthemen und sonstigen Unterlagen sind in den nachfolgenden Übersichten aufgeführt:

 

In alten Archivmappen gesammelte Unterlagen zu verschiedenen Themen

 

Nr. 34

Gerichtsverfahren von 1823 gegen den 23 Jahre alten Sekondeleutnant Graf Gebhardt Leberecht Blücher v. Wahlstatt. Er war im Zimmer der Ehefrau des Hofschauspielers Wilhelm Stich von diesem aus Eifersucht angegriffen worden und wehrte sich mit mehreren Dolchstichen. Die Verletzungen des Schauspielers waren nicht tödlich, Der Graf wurde zu drei Jahren Festungshaft verurteilt, 59 S.

 

Nr. 40

Urkundenabschriften von 1713, 1728, 1733-1741, 1769, 1791-1792, 1797, 1800-1803 über die Errichtung von Statuen zur Erinnerung an König Friedrich I. Abschriften aus dem Königlichen Haus-Archiv, dem Geheimen Ministerialarchiv und dem Archiv des Kriegsministeriums zu Statuen für den Berliner Molkenmarkt, das Berliner Zeughaus und für Königsberg, 182 S.

 

Nr. 42

Zeitungsausschnitt aus der Vossischen Zeitung vom 21. Dezember 1886 „Eine Aufklärung über das Sandsteinrelief im Jagdschloss Grunewald“ Danach soll Joachim II. im Relief von den Baumeistern Kaspar Theiß und Cuntz Bundschuh eingerahmt sein, 1 S.

 

Nr. 43

Abschrift der Kammer-Registraturen der auf königliche Kosten erbauten Häuser ab 1786, ergänzt durch eine Abschrift aus dem Geheimen Staatsarchiv Rep. 93 Nr. 482 über die in den Jahren 1798 bis 1806 vom Oberhofbauamt zu Berlin ausgeführten größeren Bauten, 32 S.

 

Nr. 45

Abschrift der Urkunde des Geheimen Staatsarchivs Rep. XI Anhalt 40 A.

Schreiben des Statthalters Fürst Georg II. von Anhalt vom 31. Januar/10. Februar 1679 an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm über einen Brand im Dachgeschoss eines Gebäudes, 3. S.

 

Nr. 46

Abschrift eines Schreibens von Friedrich Punkmann anno 1616 an die Leineweber zu Teltow. Abschrift eines Schreiben der Leineweber der Stadt Zossen. Abschrift eines Schreibens über den Teltower Leineweber Georg Neuendorff von 1663. Abschrift eines Briefes von Joachim Achim von Schlabrendorff vom 3. Juni 1783 über den Leineweber Bezold in Blankensee, 9 S.

 

Nr. 47

Abschrift des Handwerkprivilegs für Georg Nickel Beyer als Stellmacher, ausgestellt von Kurfürst Friedrich III. am 28. September 1688. 4 S. Original im Geheimen Staatsarchiv.

 

Nr. 49

Unvollständiges Manuskript eines unbekannten Autors über „Die Templer in der Mark und der Übergang ihrer Güter an die Johanniter“, 32 S. 1312 wurde der Templerorden vom Papst aufgelöst und die Übergabe der Besitztümer an den Johanniterorden angeordnet.

 

Nr. 51

Abschriften von Urkunden aus der Zeit von 1507 bis 1696 zur Geschichte des Schuhmacher-Gewerks, 169 S., möglicherweise Grundlage für den Vortrag von Ferdinand Meyer am 23. Februar 1884 über „Die Privilegien des Berliner Schuhmachergewerks“.

 

 

Nr. 52

Abschrift einer Verordnung der Städte Berlin und Cöln über das Aufkaufen von Viktualien vom 30. August 1652, 8 S., siehe Gaby Huch „Regesten der Urkunden zur Geschichte der Stadt Berlin 1500 bis 1815“, S. 297. Unter Androhung von Strafen wird den Bewohnern der Ankauf von Viktualien vor den Toren beider Städte verboten.

 

Nr. 53

Abschrift eines Schreibens des Markgrafen Georg Wilhelm an den Bürgermeister und die Ratsmänner Berlins vom November 1635. Danach wird die Brandenburgische Kavallerie Chursachsen übergeben. 6 S.

 

Nr. 57

Urkundenabschriften aus dem Königlichen Hausarchiv über die Überlassung von Lietzow an die Kurfürstin Sophie Charlotte, Vorschläge für die Verbesserung der Einkünfte für Lützenburg von 1697, Finanzierung des Schlossbaus, 1810 Auftrag an Rauch zur Fertigung einer Marmorbüste der Königin Luise, Abschrift des Textes der Vossischen Zeitung vom 25. Dezember 1810 über die Beisetzungsfeierlichkeiten für Königin Luise in Charlottenburg, Schriftwechsel zum Mausoleumsbau. 44 beschriebene Seiten.

 

Nr. 58

Abschrift einer Urkunde vom 5. April 1317, 4 S. Markgraf Waldemar bestätigt die Privilegien von Berlin und Cöln in Bezug auf die Gerichtsbarkeit und den Handel. Siehe Gaby Huch und Wolfgang Ribbe „Regesten der Urkunden zur Geschichte von Berlin / Cölln im Mitteialter (1237 bis 1499)“, S. 71

 

Nr. 60

Abschrift eines Schreibens vom 8. September 1535. Die Stadthalter und Räte ersuchen den Rat zu Berlin, den kurfürstlichen Sekretär Joachim Schum nach Trebbin fahren zu lassen, Zwei Seiten. Siehe Gaby Huch „Regesten der Urkunden zur Geschichte der Stadt Berlin 1500 bis 1815“, S. 115.

 

Nr. 66

Berolinensia aus dem 16. Jahrhundert, nach Randnotizen teilweise verlesen in den Arbeitssitzungen des VfdGB 1874. Weiterhin Abschrift aus dem Chroniciolum Berolinense von Johann Joachim Möllern, Prediger in Crossen, behandelnd Ereignisse im Jahre 1701, zusammen 122 S.

 

Nr. 306

Antrag des VfdGB an die Königliche Tiergarten-Verwaltung, die Große Querallee wieder den alten Namen Jungfernallee zu geben. Schriftwechsel. Beigefügt sind Ausschnitte aus der Zeitschrift „Der Bär“ von 1878 mit einem mehrteiligen Aufsatz von Friedrich Brose über die Entstehung des Namens Jungfernallee, 27 S.

 

Nr. 326

Gedanken von Leo Alfieri von 1881 zu den Grabungen nach den Fundamenten der Dominikanerkirche auf dem Schloßplatz, 38 S.

 

Nr. 336

Ausführungen von Leo Alfieri über zeitgenössische Grabungsergebnisse in Alt-Cöln, 21 S.

 

Nr. 342

Ferdinand Brose über Kasernenbauten in Berlin, speziell über die Kasernen des Garde-Schützen-Bataillons im 18. und 19. Jahrhundert, 112 S.

 

Ohne Nummer

Abschriften des Schriftwechsels aus den Jahren 1814 – 1838 über den geplanten Abbruch des Rathausturms und seiner Anbauten wegen Baufälligkeit bzw. die Anlegung von Arkaden zur Verbreiterung des Bürgersteigs. Es geht um Ersatz der von Gerichtsbehörden genutzten Räume durch Verlagerung in das Lagerhaus und Überlegungen zur Aufstockung des alten Berliner Rathauses im Trakt an der Königsstraße. Über den Polizeipräsidenten von Gerlach verlangt der König 1836 abermals und dringend „die Beseitigung des alten Rathausturmes wegen großer Gefährlichkeit der Passage in der Königsstraße“. Erst 1840 wurde der Turm gänzlich abgetragen.