Zur Geschichte des Vereins für die Geschichte Berlins e.V., gegr. 1865
Siehe auch:

Es ist unsere unveränderte Absicht, die Aufmerksamkeit der Mitbürger auf die Bedeutung eines lebendigen Geschichtsbewusstseins für die Lösung der Aufgaben, die uns Gegenwart und Zukunft stellen, zu lenken. Der Verein für die Geschichte Berlins hat im Sinne seiner selbstgewählten Devise „WAS DU ERFORSCHET, HAST DU MIT ERLEBT“ die wechselvolle Geschichte Berlins seit mehr als 140 Jahren zum Gegenstand seines Wirkens gemacht. Er zählt heute mehr um die 700 kritische, weltoffene, liberale und tolerante Mitglieder.

 

Die Vorgeschichte

Als Folge der von Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein 1819 initiierten Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde wurden in verschiedenen Teilen Deutschlands Geschichtsvereine gegründet, so auch 1837 der Verein für die Geschichte der Mark Brandenburg. Er war in erster Linie ein gelehrter und forschender Verein und hatte um 1860 ca. 60 Mitglieder. Auf drängende Fragen der Gegenwart konnte und wollte diese exklusive Gelehrtenversammlung keine Antwort geben.

Mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert veränderte sich die Struktur Berlins vollkommen. In wenigen Jahrzehnten wurde die Stadt führender Industriestandort Europas und die Bevölkerung wuchs in einem raschen Tempo. Die historische Substanz der Stadt war durch die rege Bautätigkeit gefährdet. Aus Sorge vor einer unkontrollierten Entwicklung riefen Ende 1864 der Arzt Dr. Julius Beer und der Polizeisekretär Ferdinand Meyer zur Gründung eines Geschichtsvereins auf, um die wenigen historischen Zeugnisse der Stadt kommenden Generationen möglichst zu erhalten.

 

Die Gründung

Am 28. Januar 1865 versammelten sich die Interessierten zur konstituierenden Sitzung im Café Royal, Unter den Linden 33 Ecke Charlottenstraße. Heute befindet sich an dieser (Stelle Unter den Linden 15) die 'KunstHalle' der Deutschen Bank in einem 1922 – 1925 errichteten Bankgebäude. Der Verein für die Geschichte Berlins wandte sich an alle Kreise der Berliner Bevölkerung, um die Anteilnahme an der Geschichte der Stadt zu wecken. Durch die Förderung der regionalgeschichtlichen Forschung unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge sollte das Wissen um die geschichtliche Entwicklung Berlins erweitert und vertieft werden. Die Versammlung wählte den damaligen Oberbürgermeister von Berlin Karl Seydel zum Vorsitzenden und den früheren Oberbürgermeister Dr. Heinrich Krausnick - seit 1862 Ehrenbürger der Stadt – zu seinem Stellvertreter.

Bis heute konnte der Verein weitere zwanzig Oberbürgermeister bzw. Regierende Bürgermeister Berlins als Mitglieder begrüßen!

Ernst Fidicin, seit 1846 Stadtarchivar von Berlin, war Vorstandsmitglied und eröffnete am 15. Februar 1865 die Vortragstätigkeit des Vereins über „Die bisherige Geschichtsschreibung Berlins“. Noch im Gründungsjahr erschien Band 1 der Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins (auch „Grüne Hefte“ genannt).

 

Die ersten Jahre

Bereits 1866 rief der Verein erstmals die Bevölkerung zur Sammlung historischer Gegenstände für die Einrichtung eines Museum Berolinense auf. In den ersten Jahren war ein Schwerpunkt der Aktivitäten die Herausgabe der Berlinischen Chronik durch Ernst Fidicin. Die Chronik umfasst die Zeitspanne von 1225 bis 1571. Das ergänzende Urkundenbuch zur Berlinischen Chronik enthält die damals noch vorhandenen Unterlagen für diesen mittelalterlichen Zeitraum, nach den später teilweise eingetretenen Verlusten der Originale ein unverzichtbares Quellenwerk. Eine größere Anzahl von Abhandlungen verschiedener Autoren wurde in den zwei Bänden der Vermischten Schriften zusammengefasst, teilweise durch Kunstbeilagen aufwendig illustriert.

1868 wurde Karl Seydel Ehrenvorsitzender und der Schauspieler und Schriftsteller Louis Schneider übernahm für die folgenden zehn Jahre bis zu seinem Ableben den Vorsitz. Er hatte bereits 1862 den Verein für die Geschichte Potsdams gegründet und war ein glühender Anhänger der Monarchie. Sein Organisationstalent trug zur Professionalisierung der Vereinsarbeit bei. Hinzu kam seine kulturpolitisch einflussreiche Stellung als Vorleser am Hofe. Er gewann Kaiser Wilhelm I. als Protektor des Vereins, die Tradition wurde von Kronprinz Friedrich Wilhelm (später Kaiser Friedrich III.) und Kaiser Wilhelm II. fortgesetzt.

 

Zwischen Gründerzeit und Erstem Weltkrieg

1872 erhielt Ernst Fidicin, nach den Worten Schneiders der „geistige Gründer des Vereins“, für seine Verdienste - aus der Hand Kaiser Wilhelms I. - eine vom Verein gestiftete Medaille in Gold mit der eingeprägten Devise des Vereins „Was Du erforschet, hast Du miterlebt“. Der begleitende Flügel-Adjutant des Kaisers, Fürst Anton Radziwill, trat im Folgejahr dem Verein bei. Nicht zuletzt durch die Vermittlung des Kaisers konnte der Verein von 1875 an Räume im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt nutzen. Hier fanden die sogenannten 'Domsitzungen' der Mitglieder statt, und Bibliothek und Archiv hatten dort bis 1943 ihre Heimstatt.

Seit 1882 erhielten verdienstvolle Personen die „Medaille für Förderung der Vereinszwecke“ in Silber, von 1895 an auch in einer bronzenen Version. Unter den Mitgliedern setzte sich erst später die Bezeichnung „Fidicin-Medaille“ durch. [Siehe auch Fidicin-Medaille für Verdienste um die Erforschung der Berliner Geschichte und die Liste der Empfänger der Fidicin Medaille]

fidicin-medaille

Die vom Verein seit 1884 mit Unterbrechungen herausgegebenen 'Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins' sind heute eine einzigartige Sammlung zur Berliner Stadt- und Kulturgeschichte.

Zum 25jährigen Vereinsjubiläum 1890 wurde dem Schriftsteller Theodor Fontane die Ehrenmitgliedschaft verliehen, er gehörte dem Verein aber bereits seit 1885 an. Von 1890 bis 1911 ließ der Verein 84 bronzene Gedenktafeln an Wohnorten bedeutender  Persönlichkeiten mit dem einheitlichen Widmungstext „Seinem Andenken – die Stadt Berlin“ anbringen.

Unter dem Vorsitzenden Dr. Richard Béringuier (1899 – 1916), überschritt die Mitgliederzahl die Grenze von 1 000. Das auf Initiative und mit Unterstützung des Vereins gegründete Märkische Museum konnte nach wechselnden Standorten 1908 den Neubau von Ludwig Hoffmann beziehen.

 

Zwischen den Weltkriegen

Die Vereinstätigkeit wurde auch in den Kriegsjahren mit geringen Einschränkungen fortgeführt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ging die Vereinsarbeit unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen zunächst zurück. Durch Erlass des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung wurde die mehr als 6.000 Bände umfassende Vereinsbibliothek 1920 in Anbetracht ihrer besonderen wissenschaftlichen und geschichtlichen Bedeutung für die Allgemeinheit unter den Schutz der „Verordnung über den Schutz von Denkmalen und Kunstwerken“ gestellt.

1923 begann der neue Vereinsbibliothekar Felix Hasselberg mit dem Aufbau einer Autographensammlung, die nach zehn Jahren bereits mehr als 1 000 Einzelstücke umfasste. Zum sechzigjährigen Vereinsjubiläum 1925 stand der Verein mit 125 Behörden, Universitäten und anderen historischen Verbänden im Austausch. Erst im Zuge der Weltwirtschaftskrise ging der Mitgliederbestand stetig zurück.

Die politischen Veränderungen 1933 wirkten sich auf alle Vereine verhängnisvoll aus. Sämtliche Einzelverbände des 'Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine' wurden auf den neuen Staat ausgerichtet. Der seit 1930 gewählte Vereinsvorsitzende, der parteilose Studienrat Dr. Hermann Kügler, war von einem konservativ-nationalen Weltbild geprägt. Viele Mitglieder verloren aus politischen oder rassischen Gründen ihre berufliche Existenz. Dr. Ernst Kaeber wurde 1937 wegen seiner jüdischen Ehefrau als Stadtarchivdirektor abberufen und legte auch seine Vereinsposten nieder. Nach dem angeordneten Ausschluss aller Personen jüdischer Abkunft war die Mitgliederzahl 1938 auf 447 gesunken.

 

Der Zweite Weltkrieg

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs ging die Veranstaltungstätigkeit zurück. Durch eine Änderung der Satzung konnten seit Anfang 1942 auch Frauen in den Verein aufgenommen werden. Die Fontane-Kennerin Dr. Jutta Fürstenau war das erste weibliche Mitglied. Die Vereinsmitteilungen, seit 1934 unter dem Namen „Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins“ neben einem „Beiblatt zur Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins“ herausgebracht, wurden 1943 eingestellt.

Als der Deutsche Dom Ende 1943 und Anfang 1944 mehrfach von Bomben getroffen wurde, verlor der Verein den größten Teil seiner Bibliothek und seines Archivs. Nur einige Teile waren vorsorglich an anderen Orten untergebracht worden. Leider gingen durch Plünderung von Kisten, versteckt in den Grüften der Parochialkirche, die wertvollsten Bestände des Vereins 1945 verloren. Die Autographensammlung, zuletzt deponiert in einem Schließfach der Deutschen Bank, galt jahrzehntelang als verschollen. Ein bisher nicht abschließend ermittelter Teil wird heute von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin verwahrt. Sie hat seit Jahren bei gesichertem Herkunftsnachweis Bestandsdaten mit dem Eigentumsvermerk 'VfdGB' in den Verbundkatalog Kalliope eingespeist. Die teilweise während des Krieges in die Stadtbibliothek zur Aufbewahrung für den Verein überführten Bücher und Ansichten befinden sich – soweit erhalten - jetzt auch bei der ZLB. Im Landesarchiv Berlin sind weitere Altbestände des Vereins aus der Fotosammlung und dem Archiv aufbewahrt.

 

Der Wiederbeginn in der Nachkriegszeit

Nach Kriegsende 1945 bestand für alle politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Vereinigungen ein Betätigungsverbot. Auch über das zu diesem Zeitpunkt vorhandene Vereinsvermögen von etwa 40 000 RM in Form von Wertpapieren und Bankguthaben konnte nicht verfügt werden. Seit 1947 unterstützten führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Bestrebungen zur Neugründung des Geschichtsvereins. Dr. Otto Suhr und Professor Dr. Kurt Landsberg stellten 1947 einen entsprechenden Antrag bei der Alliierten Kommandantur. Die Genehmigung kam erst im März 1949 und ermöglichte eine Vereinsgründung am 29. April 1949 unter dem Namen „Verein für die Geschichte Berlins“. Der damalige Oberbürgermeister Ernst Reuter konnte aus Termingründen nicht an der konstituierenden Sitzung teilnehmen. In einem Schreiben vom 26. April 1949 an Professor Landsberg betonte er ausdrücklich:„...Sie wissen, dass ich die Neugründung dieses Vereins für eine außerordentlich wichtige und wertvolle Arbeit halte, und dass ich sehr gern – wenigstens am Rande – an dieser Arbeit teilnehmen werde...“

 

Die Vereinstätigkeit im geteilten Berlin

Der neue Verein begann mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm. Er protestierte 1950 vehement gegen den Abriss des Berliner Schlosses und setzte sich für den Wiederaufbau des stark zerstörten Schlosses in Charlottenburg ein.

Als erstes äußeres Zeichen der Vereinsexistenz beschloss der Vorstand, von 1951 an ein Jahrbuch herauszugeben, das seit 1954 den Titel „Der Bär von Berlin“ trägt. Im Geleitwort betonte der Vorstand die alte Maxime des Vereins: „Hier wie bei allen Beiträgen war es unser Ziel, Wissenschaft und Volkstümlichkeit zu verbinden, uns nicht nur an die Gelehrten zu wenden, sondern an alle, die an dem Werden Berlins Anteil nehmen.“ Eine zweckgebundene Zuwendung der Deutschen Klassenlotterie in Höhe von 20 000 DM ermöglichte am 2. Oktober 1959 die Eröffnung der neuen Vereinsbibliothek im Ernst-Reuter-Haus an der Straße des 17. Juni 112.

Nun mehrten sich die Stimmen, mit den Vertretern des gleichnamigen ruhenden Vereins von 1865 Kontakt aufzunehmen, um dessen noch vorhandenes Vermögen nutzbar zu machen. Die Schwierigkeiten einer Fusion lagen in den unterschiedlichen Rechtsformen, auf der einen Seite der Verein von 1865 mit den Rechten einer juristischen Person seit 1877, auf der anderen Seite der eingetragene Verein von 1949. Nach längeren Verhandlungen der Vorstände beschloss der Verein von 1949 am 2. Mai 1961, sich aufzulösen und am gleichen Tage die Gesamtzahl der Mitglieder wie auch sein Vermögen in den Verein von 1865 einzubringen. Zur Unterscheidung fügte man den Zusatz „gegr. 1865“ an. In der Satzung blieb es aber bei dem Namen „Verein für die Geschichte Berlins“. Für den Zeitraum von 1961 bis 1966 gab es als Kompromiss ausnahmsweise zwei Vorsitzende, Professor Dr. Kurt Landsberg und Professor Dr. Bruno Harms.

Auch nach Errichtung der Mauer 1961 pflegte der Verein individuelle Kontakte mit Heimatfreunden im Ostteil der Stadt. Der Verein war bestrebt, durch öffentliche Vorträge die Kenntnisse über die Kulturdenkmäler der gesamten Stadt zu vertiefen.

Leitgedanke der Vereinsarbeit blieben die Worte des Ehrenmitglieds Theodor Fontane, dass „...der Anblick Alt- und Neu-Berlins uns fühlen lässt: Das all´ ist uns gemeinsam.“. Dementsprechend setzte sich der Verein intensiv für die Errichtung eines Berlin-Museums in Berlin (West) ein. Die Leitung des Fördervereins übernahm der erste Rektor der Freien Universität Berlin, unser Mitglied Professor Dr. Edwin Redslob. 1964 beteiligte sich der Verein mit Leihgaben an der Eröffnung des Museums in dem vorläufigen Domizil Stauffenbergstr. 41.

Im Mittelpunkt des Jahres 1965 standen die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum. Im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses im Rathaus Schöneberg übermittelte der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und Vizekanzler Dr. Erich Mende bei einer Festsitzung die Glückwünsche der Bundesregierung und hob hervor: „Der Verein für die Geschichte Berlins hat sich verdient gemacht in einhundert Jahren idealistischer Arbeit um die Wahrung des Andenkens dieser großen Stadt und ihrer Kulturwerte, aber auch um die Vermittlung der Werte eines Jahrhunderts an die heutige, an die kommenden Generationen.“

Anlässlich des Jubiläums wurde der Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt zum Ehrenmitglied ernannt. Als 14. Folge des Jahrbuchs erschien eine umfangreiche Festschrift mit zahlreichen Beiträgen, darunter eine von Rudolf Danke zusammengestellte Chronik „100 Jahre Verein für die Geschichte Berlins“. Vom Jubiläumsjahr an gab es auch wieder die seit dem Frühjahr 1943 nicht mehr gedruckten Vereinsmitteilungen, nunmehr unter dem bis 1933 gebräuchlichen Namen „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins“.

In den folgenden Jahren wuchs die Mitgliederzahl stetig. Neben den Vorträgen und Führungen wurden auch Studienfahrten innerhalb Deutschlands angeboten. 1967 übernahm der Kieferchirurg und Medizinhistoriker Professor Dr. Dr. Walter Hoffmann-Axthelm für elf Jahre den Vereinsvorsitz. Mit der Wahl von Dr. Hans Günter Schultze-Berndt zum Schriftführer im Folgejahr sollte der Verein eine Persönlichkeit gewinnen, die über mehr als ein Vierteljahrhundert hinweg das Vereinsleben entscheidend zu prägen vermochte. Der immer freundlich-liebenswürdige Geschäftsführer der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin verstarb 1996.

1969 erschien nach 31 Jahren Unterbrechung das 42. Mitgliederverzeichnis seit Vereinsgründung, und drei Jahre später lag die Zahl der Mitglieder über 700.

1973 wurden die Bibliotheksräume im Ernst-Reuter-Haus aufgegeben und der Verein bekam eine neue Heimstatt im Rathaus Charlottenburg, auch die Vorträge fanden nunmehr dort statt. Für seine Verdienste um die Erforschung und Popularisierung der Geschichte Berlins wurde dem stadtbekannten Berlin-Historiker, unserem Vorsstandsmitglied Kurt Pomplun 1975 die Fidicin-Medaille verliehen.

Das reichhaltige Angebot des Vereins (Publikationen, Vorträge, Führungen, Studienfahrten) bewirkte ein stetiges Wachsen der Mitgliederzahl, 1980 war die Zahl bei 895. Dr. Richard von Weizsäcker (Mitglied seit 1978) erhielt wegen seiner Verdienste als Regierender Bürgermeister von Berlin 1984 die Ehrenmitgliedschaft.

Das Jahr 1987 stand auch für den Verein ganz im Zeichen der 750-Jahr-Feier Berlins. Das Jahrbuch erschien in einem erweiterten Umfang, und der Verein beteiligte sich an einer großen Berlin-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Ein Faltblatt warb für die Veranstaltungen des Vereins, die Festveranstaltung im Schöneberger Rathaus wurde von allen Teilnehmern als überaus gelungen bezeichnet.

Die beengten Verhältnisse der Vereinsbibliothek im Rathaus Charlottenburg hatten 1989 ein Ende. Durch eine großzügige Spende der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin war es möglich, Räumlichkeiten der Berliner Sparkasse direkt am U-Bahnhof Blissestraße (Berliner Straße 40) zu beziehen.

Das 125jährige Jubiläum des Vereins wurde am 28. Januar 1990 mit einer Festveranstaltung im Kammermusiksaal der Philharmonie begangen. Der seit 1985 als Vereinsvorsitzender wirkende Bürgermeister von Berlin und Senator a.D. Hermann Oxfort konnte hier nach dem Fall der Mauer mehr als 700 Gäste, darunter auch viele aus dem Ostteil der Stadt, begrüßen. Professor Dr. Richard Löwenthal, Nestor der Berliner Politikwissenschaft, hielt den Festvortrag.

 

IDie Vereinstätigkeit nach der Wiedervereinigung

1991 war es erstmals wieder möglich, die Mitgliederversammlung in Berlins historischer Mitte, im Berliner Rathaus, zu veranstalten. Frau Professor Dr. Margarete Kühn (Mitglied seit 1949), die langjährige Direktorin der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, erhielt für ihr Lebenswerk die Fidicin-Medaille. Mit Unterstützung Ernst Reuters hatte sie sich einst energisch einem Abriss des Charlottenburger Schlosses widersetzt.

Der Vereinsvorstand trat mit der Aufforderung an die Öffentlichkeit, die historische Mitte der Stadt so weit wie möglich wiederherzustellen. Hans-Werner Klünner begeisterte in den Folgejahren durch seine legendären Führungen durch die Stadtmitte.

Die Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten gab dem Verein 1994 die Zusage, seine Bibliothek in dem von Daniel Liebeskind entworfenen Erweiterungsbau des Berlin-Museums unterzubringen. Durch die Gründung eines eigenständigen Jüdischen Museums waren diese Pläne schließlich obsolet.

1996 beschloss der Vorstand auf Initiative des Vorstandsmitglieds Dirk Pinnow zukünftig eine Präsentation des Vereins im Internet anzubieten: www.DieGeschichteBerlins.de Das war ein in die Zukunft weisender Schritt!

1997 erhielt der Verein auf Grund eines Vertrags mit der Zentral- und Landesbibliothek die noch heute genutzten Räume in zentralster Lage, im Hofgebäude des Neuen Marstalls am Schloßplatz 7. Dort sind wir auf rund 200 Quadratmetern gut untergebracht.

Seit 1994 organisierte Dr. Manfred Uhlitz mehr als zehn Jahre zwischen 40 und 50 Veranstaltungen jährlich. 1998 begannen erfolgreiche Auslands-Studienfahrten unter der Leitung unseres Mitglieds Dipl.-Geograph Reinhard Hanke: Danzig 1998, Schlesien 1999, Königsberg 2000, Prag 2001, Krakau 2002, Baltikum 2003 und Sankt Petersburg 2004.

1998 erhielt der stellvertretende Vorsitzende Hans-Werner Klünner aus Anlass seines 70. Geburtstags nicht nur die Fidicin-Medaille, sondern auch den Verdienstorden des Landes Berlin! Der Chronist Berlins starb zu früh schon im Folgejahr.

1999 löste der Präsident des Berliner Verfassungsgerichts Professor Dr. Klaus Finkelnburg den aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierenden Vorsitzenden Hermann Oxfort ab.

Mit Hilfe des Buchhändlers und Verlegers, unseres Mitglieds Wieland Giebel wurde 2004 die Erneuerung der Internetseiten des Vereins finanziert. Als 'Webmaster' wirkt seither Dipl. Ing. Joest Feenders, der sich seitdem mit großem persönlichem Einsatz intensiv und ideenreich um die Internet-Präsentation verdient macht.

Seit 2004 weitete Dirk Pinnow das Veranstaltungsprogramm nochmals aus und setzte neue Schwerpunkte. Im Jahr 2007 wartete er mit der Rekordzahl von 61 Veranstaltungen auf. Die langjährigen Herausgeber unseres Jahrbuches „Der Bär von Berlin“ Professor Dr. Sibylle Einholz und Dr. Jürgen Wetzel wurden mit der Fidicin-Medaille geehrt.

Der Status unseres Vereins als 'Alt-Korporation' war durch das 'Gesetz zur Änderung stiftungs- und vereinsrechtlicher Vorschriften' vom 3. Juli 2003 zu ersetzen. Nach den erforderlichen Satzungsänderungen wurde der Verein am 9. November 2005 in das Vereinsregister eingetragen und ist seitdem ein eingetragener Verein.

Dr. Manfred Uhlitz, Kunsthistoriker und Sohn unseres langjährigen Mitglieds Dr. Otto Uhlitz, löste 2005 den nicht mehr kandidierenden Professor Dr. Klaus Finkelnburg im Vereinsvorsitz ab. Letzterer bekam vom Verein zum Dank für seine Arbeit in drei Amtsperioden und für sein Wirken für Berlin die Fidicin-Medaille. Der Bundespräsident würdigte seine Verdienste um Berlin durch die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes.

Durch Einarbeitung bisher nicht erfasster Bestände, Beschaffungen aus anderen Archiven und Schenkungen antiquarischer Bücher erhöhte sich die Zahl der Eingänge in der Vereinsbibliothek erheblich, Karlheinz Grave (Mitglied seit 1954) beendete 2007 aus Anlass seines 80. Geburtstags nach fünf Jahrzehnten Einsatz für die Vereinsbibliothek sein Engagement und schied aus dem Vorstand aus. Die Fidicin-Medaille hatte er bereits 1977 für den Wiederaufbau der Bibliothek erhalten. Unsere Bibliothek hat gegenwärtig einen Bestand von 31 000 Bänden. In der Kartensammlung sind heute 4 185 Objekte registriert.

Seit 2007 sind die 'Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins' der Jahre 1884 bis 1943 dank des damaligen Vorstandsmitglieds Peter Borchardt, Leiter der Abteilung Berlin-Studien der ZLB, im Internet verfügbar, seit 2008 auch die Ausgaben der Jahre 1965 bis 1997.

Die Zugriffszahlen auf die Website des Vereins bewegen sich seit Jahren auf einem hohen Niveau. Durch die Wahl von Dr. Franziska Nentwig, Generaldirektorin der Stiftung Stadtmuseum Berlin, Professor Dr. Uwe Schaper, Direktor des Landesarchivs Berlin, Dr. Klaus von Krosigk, stellvertretender Landeskonservator und Peter Borchardt, Abteilungsleiter für Berlin-Studien der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, wurden die wichtigsten Institutionen im Vorstand des Vereins vereint. Besondere Aufmerksamkeit erhielten 'Themenhefte' der 'Mitteilungen' zu verschiedenen Teilen der historischen Innenstadt, zusammengefasst und erweitert durch die Publikation „Fokus Berlin-Mitte - 775 Jahre historischer Stadtkern“

Im Herbst 2011 wurde der Grabstein unseres Mit-Vereinsgründers Dr. Julius Beer auf dem Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee durch Spenden der Damen und Herren unseres Vereins restauriert und in Anwesenheit des Berliner Kulturstaatssekretärs, unseres Mitglieds André Schmitz vorgestellt. Seit dem 20. September 2012 erinnert eine 'Berliner Gedenktafel' am Haus der Deutschen Bank, Unter den Linden 13-15, an die Vereinsgründer Dr. Julius Beer und Ferdinand Meyer. Eine Ausstellung des Vereins im Foyer des Berliner Rathauses widmete sich am Jahresende 2012 der einstigen 'Königstraße', vor dem Berliner Rathaus gelegen.

2013 beteiligte sich der Verein an dem Berliner Projekt „Zerstörte Vielfalt“ und untersuchte die Vereinsgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus. In der Jahresversammlung 2014 ernannten die Mitglieder die früheren Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen und Walter Mommer zu Ehrenmitgliedern.

 

Der Verein ab dem Jubiläumsjahr 2015

Auf einer Festveranstaltung zum 150. Jubiläum der Vereinsgründung am 28.Januar 2015 in der Nikolaikirche erhielten Eberhard Diepgen (Mitglied seit 1971) und Walter Momper (Mitglied seit 1988) die Ernennungsurkunden ihrer Ehrenmitgliedschaft. Den Festvortrag hielt das Mitglied Professor Dr. Wolfgang Ribbe zum Thema „Gedenken in Bronze und auf Porzellan. Erinnerungen der Stadt Berlin an berühmte Persönlichkeiten und an historische Orte“. Das Vereinsjubiläum wurde in den Medien breit gewürdigt. Im Auftrag des Vereins stellte Helmut Schmidt und seine Firma 'KanzlerFilm' einen Film über den Verein zusammen, der auf der Webseite angesehen werden kann.

Dr. Wolther von Kieseritzky beendete nach zehn Jahren seine Tätigkeit als Schriftleiter der 'Mitteilungen'. Der Vorstand beschloss, vom 2. Quartal 2015 an eine neue Zeitschrift mit dem Titel „Berliner Geschichte“ herauszugeben, die an die Stelle der 'Mitteilungen' treten wird. Als erstes der vierteljährlich erscheinenden Themenhefte kam im April 2015 die Ausgabe „Kriegsende in Berlin 1945“ heraus. Wegen der Fülle des Materials zur Vereinsgeschichte und um den Vierjahresband der 'Mitteilungen' abzuschließen, erscheinen die 'Mitteilungen' in gewohnter Form – nunmehr unter der Schriftleitung des Vorsitzenden Dr. Manfred Uhlitz – bis zum Jahresende 2015. Später werden die 'Mitteilungen' eine Beilage der 'Berliner Geschichte' für die Damen und Herren unseres Vereins sein.

In der Jahreshauptversammlung am 25. März 2015 wurde Dr. Manfred Uhlitz in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt. Ihm zur Seite stehen als stellvertretende Vorsitzende Dr. Eva-Maria Barkhofen, Leiterin des Baukunstarchivs der AdK, und Professor Dr. Susanne Kähler. Die Archäologin Claudia Melisch wirkt weiterhin als Schriftführerin, neu als Schatzmeister Norman Rönz, auch zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Weiterhin sind wichtige Institutionen Berlins als Beisitzer im Vorstand vertreten: Es konnten Dr. Anna-Maria Odenthal vom Landesdenkmalamt Berlin, Professor Dr. Ingrid Scheurmann von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Peter Schwirkmann von der Stiftung Stadtmuseum Berlin für die Mitarbeit gewonnen werden.

Von Martin Mende

 

Literaturhinweise:

Richard Béringuier: Ausführliche Beschreibung der Feierlichkeiten aus Anlass des 25jährigen Bestehens des Vereins für die Geschichte Berlins (= Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft 28), Berlin 1890

Tätigkeitsberichte in den Jahrbüchern Der Bär von Berlin von der 13. Folge 1964 an

Rudolf Danke: 100 Jahre Verein für die Geschichte Berlins – Versuch einer Chronik, in Der Bär von Berlin, Folge 14,1965, S. 325–405

Verein für die Geschichte Berlins, gegr. 1865 – vorgestellt in einer 18seitigen Broschüre der Studenten des Studienganges Museumskunde der FHTW Berlin, Berlin 2000. (Die Broschüre ist in der Bibliothek des Vereins erhältlich.)

Martin Mende: Julius Beer und die Gründung des Vereins für die Geschichte Berlins 1865. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jg. 102, 2006, S. 381–384.

Martin Mende: Richard Béringuier – Vorsitzender des Vereins für die Geschichte Berlins von 1899 bis 1916. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jg.104, 2008, S. 92-95

Martin Mende: Fidicin-Medaille für Verdienste um die Erforschung der Berliner Geistesgeschichte. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jg. 104, 2008, S. 137-140

Martin Mende: Vom Berliner Rathaus zum Deutschen Dom. Bibliothek und Archiv des VfdGB. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jg. 105, 2009, S. 258-268

Martin Mende: Der Sumarius und die Judenverfolgung 1510. Zur Geschichte einer der ältesten Druckschriften Brandenburgs. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jg. 107, 2011, S. 514-521

Manfred Uhlitz: Laudatio bei der Gedenktafel-Einweihung des Vereins für die Geschichte Berlins e.V., gegr. 1865. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jg. 108, 2012, S. 138-144

Martin Mende: Chronik des Vereins für die Geschichte Berlins e. V. (= Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft 65), Berlin 2015

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs ging die Veranstaltungstätigkeit zurück. Durch eine Änderung der Satzung konnten seit Anfang 1942 auch Frauen in den Verein aufgenommen werden. Die Fontane-Kennerin Dr. Jutta Fürstenau war das erste weibliche Mitglied. Die Vereinsmitteilungen, seit 1934 unter dem Namen „Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins“ neben einem „Beiblatt zur Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins“ herausgebracht, wurden 1943 eingestellt.