Zur Geschichte des Vereins für die Geschichte Berlins e.V., gegr. 1865 [Siehe auch Fidicin-Medaille für Verdienste um die Erforschung der Berliner Geschichte, die Liste der Empfänger der Fidicin Medaille und Mitglieder - Ein Querschnitt bekannter Personen und Institutionen seit Gründung 1865]
Es ist unsere unveränderte Absicht, die Aufmerksamkeit der Mitbürger auf die Bedeutung eines lebendigen Geschichtsbewusstseins für die Lösung der Aufgaben, die uns Gegenwart und Zukunft stellen, zu lenken. Der Verein für die Geschichte Berlins hat im Sinne seiner selbstgewählten Devise „WAS DU ERFORSCHET, HAST DU MIT ERLEBT“ die wechselvolle Geschichte Berlins seit mehr als 140 Jahren zum Gegenstand seines Wirkens gemacht. Er zählt heute mehr als 700 kritische, weltoffene, liberale und tolerante Mitglieder.
Die Vorgeschichte Als Folge der von Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein 1819 initiierten Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde wurden in verschiedenen Teilen Deutschlands Geschichtsvereine gegründet, so auch 1837 der Verein für die Geschichte der Mark Brandenburg. Er war in erster Linie ein gelehrter und forschender Verein und hatte um 1860 ca. 60 Mitglieder. Auf drängende Fragen der Gegenwart konnte und wollte diese exklusive Gelehrtenversammlung keine Antwort geben.
Mit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert veränderte sich die Struktur Berlins vollkommen. In wenigen Jahrzehnten wurde die Stadt der führende und größte Industriestandort Europas und die Bevölkerung wuchs in einem rasanten Tempo. Die historischen Substanz der Stadt war durch die rege Bautätigkeit akut gefährdet. Aus Sorge vor einer unkontrollierten Entwicklung riefen Ende 1864 der jüdische Arzt Dr. Julius Beer und der Polizeisekretär Ferdinand Meyer zur Gründung eines Geschichtsvereins auf, um die wenigen historischen Zeugnisse der Stadt kommenden Generationen möglichst zu erhalten.
Die Gründung Am 28. Januar 1865 versammelten sich die Interessierten zu der konstituierenden Sitzung im Café Royal, Unter den Linden 33 Ecke Charlottenstraße. Heute befindet sich an dieser Stelle Unter den Linden 15 in einem 1922 – 1925 errichteten Bankgebäude das Guggenheim-Museum.
Der Verein für die Geschichte Berlins wandte sich an alle Kreise der Berliner Bevölkerung, um die Anteilnahme an der Geschichte der Stadt zu wecken. Durch die Förderung der heimatkundlichen Forschung unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge sollte das Wissen um die geschichtliche Entwicklung Berlins erweitert und vertieft werden. Die Versammlung wählte den damaligen Oberbürgermeister von Berlin Karl Seydel zum Vorsitzenden und den früheren Oberbürgermeister Dr. Heinrich Krausnick – seit 1862 Ehrenbürger der Stadt – zu seinem Stellvertreter. Bis heute konnte der Verein weitere zwanzig Oberbürgermeister bzw. Regierende Bürgermeister Berlins als Mitglieder begrüßen. Ernst Fidicin, seit 1846 als Stadtarchivar von Berlin eingesetzt, war Vorstandsmitglied und eröffnete am 15. Februar 1865 die Vortragstätigkeit des Vereins über „Die bisherige Geschichtsschreibung Berlins“. Noch im Gründungsjahr erschien Band 1 der Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins (auch „Grüne Hefte“ genannt).
Die ersten Jahre Bereits 1866 rief der Verein erstmals die Bevölkerung zur Sammlung historischer Gegenstände für die Einrichtung eines Museum Berolinense auf. In den ersten Jahren war ein Schwerpunkt der Aktivitäten die Herausgabe der Berlinischen Chronik durch Ernst Fidicin. Die Chronik umfasst die Zeitspanne von 1225 bis 1571. Das ergänzende Urkundenbuch zur Berlinischen Chronik enthält die damals noch vorhandenen Unterlagen für diesen mittelalterlichen Zeitraum, nach den später teilweise eingetretenen Verlusten der Originale ein unverzichtbares Quellenwerk.
Eine größere Anzahl von Abhandlungen verschiedener Autoren wurde in den zwei Bänden der Vermischten Schriften zusammengefasst, teilweise durch Kunstbeilagen aufwendig illustriert. 1868 wurde Karl Seydel Ehrenvorsitzender und der Schauspieler und Schriftsteller Louis Schneider übernahm für die folgenden zehn Jahre bis zu seinem Ableben den Vorsitz. Er hatte bereits 1862 den Verein für die Geschichte Potsdams gegründet und war ein glühender Anhänger der Monarchie. Sein Organisationstalent und seine Mitgliedschaft in allen drei zuletzt genannten Vereinen trugen zur Professionalisierung der Vereinsarbeit bei. Dazu kam seine literaturpolitisch einflussreiche Stellung als Vorleser am Hofe. Er gewann Kaiser Wilhelm I. als Protektor des Vereins, die Tradition wurde von Friedrich III. und Wilhelm II. fortgesetzt.
Zwischen Gründerzeit und Erstem Weltkrieg 1872 erhielt Ernst Fidicin, nach den Worten Schneiders der „geistige Gründer des Vereins“, für seine Verdienste aus der Hand Kaiser Wilhelms I. eine vom Verein gestiftete Medaille in Gold mit der eingeprägten Devise des Vereins „Was Du erforschet, hast Du miterlebt“. Der begleitende Flügel-Adjutant des Kaisers, Fürst Anton Radziwill, trat im Folgejahr dem Verein bei. Nicht zuletzt durch die Vermittlung des Kaisers konnte der Verein ab 1875 Räumlichkeiten im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt nutzen. Hier fanden die sogenannten Domsitzungen der Mitglieder statt, und Bibliothek und Archiv hatten hier bis 1943 ihre Heimstatt.
Seit 1882 erhielten verdienstvolle Personen die „Medaille für Förderung der Vereinszwecke“ in Silber, ab 1895 auch in einer bronzenen Version. Unter den Mitgliedern setzte sich erst später die Bezeichnung „Fidicin-Medaille“ durch. [Siehe auch Fidicin-Medaille für Verdienste um die Erforschung der Berliner Geschichte und die Liste der Empfänger der Fidicin Medaille]

Die vom Verein seit 1884 mit Unterbrechungen herausgegebenen Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins sind eine einzigartige Sammlung zur Berliner Stadt- und Kulturgeschichte.
Zum 25-jährigen Vereinsjubiläum 1890 wurde dem Schriftsteller Theodor Fontane die Ehrenmitgliedschaft verliehen, er gehörte dem Verein aber bereits seit 1885 an. Von 1890 bis 1911 ließ der Verein 84 bronzene Gedenktafeln an den Wohnorten berühmter Persönlichkeiten mit dem einheitlichen Widmungstext „Sein Andenken – die Stadt Berlin“ anbringen.
Unter dem Vorsitzenden von 1899 – 1916, Dr. Richard Béringuier, überschritt die Mitgliederzahl die Grenze von 1.000. Das auf Initiative und mit Unterstützung des Vereins gegründete Märkische Museum konnte nach wechselnden Standorten 1908 den Neubau von Ludwig Hoffmann beziehen.
Zwischen den Weltkriegen Die Vereinstätigkeit wurde auch in den Kriegsjahren mit geringen Einschränkungen fortgeführt. Nach dem Ende des I. Weltkrieges ging die Vereinsarbeit unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen zunächst zurück. Durch einen Erlass des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung wurde 1920 die mehr als 6.000 Bände umfassende Vereinsbibliothek in Anbetracht ihrer besonderen wissenschaftlichen und geschichtlichen Bedeutung für die Allgemeinheit unter den Schutz der „Verordnung über den Schutz von Denkmalen und Kunstwerken“ gestellt.
1923 begann der neue Vereinsbibliothekar Felix Hasselberg mit dem Aufbau einer Autographensammlung, die nach zehn Jahren bereits mehr als 1.000 Einzelstücke umfasste. Zum 60- jährigen Vereinsjubiläum 1925 hatte sich die Lage soweit konsolidiert, dass der Verein mit 125 Behörden, Universitäten und anderen historischen Verbänden im Austausch stand. Erst im Zuge der Weltwirtschaftskrise ab 1929 ging der Mitgliederbestand wieder stetig zurück.
Die politischen Veränderungen 1933 wirkten sich auf alle Geschichtsvereine verhängnisvoll aus. Sämtliche Einzelverbände des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine wurden auf den neuen Staat ausgerichtet. Der seit 1930 gewählte Vereinsvorsitzende, der parteilose Studienrat Dr. Hermann Kügler, war von einem konservativ-nationalen Weltbild geprägt und arrangierte sich mit den geänderten Verhältnissen. Viele Mitglieder verloren aus politischen oder rassischen Gründen ihre berufliche Existenz. Dr. Ernst Kaeber wurde 1937 wegen seiner jüdischen Ehefrau als Stadtarchivdirektor abberufen und legte auch seine Vereinsposten nieder. Nach dem angeordneten Ausschluss aller Personen jüdischer Abkunft war die Mitgliederzahl 1938 auf 447 gesunken.
Der Zweite Weltkrieg Mit Beginn des II. Weltkrieges ging die Veranstaltungstätigkeit zurück. Durch eine Änderung der Satzung konnten seit Anfang 1942 auch Frauen in den Verein aufgenommen werden. Die Fontane-Kennerin Dr. Jutta Fürstenau war das erste weibliche Mitglied. Die Vereinsmitteilungen, seit 1934 unter dem Namen „Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins“ neben einem „Beiblatt zur Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins“ herausgebracht, wurden 1943 eingestellt.
Als der Deutsche Dom Ende 1943 und Anfang 1944 mehrfach von Bomben getroffen wurde, ging der größte Teil der Bibliothek und des Archivs verloren. Nur einige Teile des Archivs und der Bibliothek waren vorsorglich an anderen Orten untergebracht worden. Leider gingen durch Plünderung eines Schließfaches bei der Deutschen Bank und von Kisten in den Grüften der Parochialkirche die wertvollsten Bestände für den Verein 1945 verloren. Die teilweise während des Krieges in die Stadtbibliothek zur Aufbewahrung für den Verein überführten Bücher und Ansichten befinden sich – soweit erhalten – jetzt im Besitz der Zentralund Landesbibliothek Berlin, in deren Räumlichkeiten am Schlossplatz 7 in Berlin-Mitte die Vereinsbibliothek seit 1997 auch ihren hoffentlich letzten Standort gefunden hat. Im Landesarchiv Berlin sind Altbestände des Vereins aus der Fotosammlung und dem Archiv nachgewiesen.
Der Wiederbeginn in der Nachkriegszeit Nach der Kapitulation 1945 bestand für alle politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Vereinigungen ein Betätigungsverbot. Auch über das zu diesem Zeitpunkt vorhandene Vereinsvermögen von etwa 40.000 RM in Form von Wertpapieren und Bankguthaben konnte nicht verfügt werden.
Seit 1947 unterstützten führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Bestrebungen zur Neugründung eines Geschichtsvereins. Dr. Otto Suhr und Prof. Dr. Kurt Landsberg stellten 1947 einen entsprechenden Antrag bei der Alliierten Kommandantur. Die Genehmigung kam erst im März 1949 und ermöglichte eine Vereinsgründung am 29. April 1949 unter dem Namen „Verein für die Geschichte Berlins“. Der damalige Oberbürgermeister Ernst Reuter konnte aus Termingründen nicht an der konstituierenden Sitzung teilnehmen. In seinem Schreiben vom 26. April 1949 an Prof. Landsberg betonte er ausdrücklich: „...Sie wissen, dass ich die Neugründung dieses Vereins für eine außerordentlich wichtige und wertvolle Arbeit halte, und dass ich sehr gern – wenigstens am Rande – an dieser Arbeit teilnehmen werde...“
Die Vereinstätigkeit im geteilten Berlin Der neue Verein begann mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm. Er protestierte 1950 energisch gegen den Abriss des Berliner Schlosses und setzte sich für den Wiederaufbau des stark zerstörten Schlosses in Charlottenburg ein.
Als erstes äußeres Zeichen des Wiederdaseins beschloss man ab 1951 ein Jahrbuch herauszugeben, das seit 1954 den Titel „Der Bär von Berlin“ trägt. Im Geleitwort betonte der Vorstand die alte Maxime des Vereins: „Hier wie bei allen Beiträgen war es unser Ziel, Wissenschaft und Volkstümlichkeit zu verbinden, uns nicht nur an die Gelehrten zu wenden, sondern an alle, die an dem Werden Berlins Anteil nehmen.“ Eine zweckgebundene Zuwendung der Deutschen Klassenlotterie in Höhe von 20.000 DM ermöglichte am 2. Oktober 1959 die Eröffnung der neuen Vereinsbibliothek im Ernst-Reuter-Haus an der Straße des 17. Juni 112.
Nunmehr mehrten sich die Stimmen, mit den Vertretern des gleichnamigen ruhenden Vereins von 1865 Kontakt aufzunehmen, um dessen noch vorhandenes Vermögen nutzbar zu machen. Die Schwierigkeiten einer Fusion lagen in den unterschiedlichen Rechtsformen, auf der einen Seite der Verein von 1865 mit den Rechten einer juristischen Person seit 1877, auf der anderen Seite der eingetragene Verein von 1949. Nach längeren Verhandlungen der Vorstände beschloss am 2. Mai 1961 der Verein von 1949, sich aufzulösen und am gleichen Tage die Gesamtzahl der Mitglieder wie auch sein Vermögen in den Verein von 1865 einzubringen. Zur Unterscheidung fügte man den Zusatz „gegr. 1865“ an. In der Satzung blieb es aber bei dem Namen „Verein für die Geschichte Berlins“. Für den Zeitraum von 1961 – 1966 gab es als Kompromiss ausnahmsweise zwei Vorsitzende, Prof. Dr. Kurt Landsberg und Prof. Dr. Bruno Harms.
Auch nach Errichtung der Mauer 1961 pflegte der Verein individuelle Kontakte mit Heimatfreunden im Ostteil der Stadt. Der Verein war bestrebt, durch öffentliche Vorträge die Kenntnisse über die Kulturdenkmäler der gesamten Stadt zu vertiefen.
Leitgedanke der Vereinsarbeit blieben die Worte unseres Ehrenmitgliedes Theodor Fontane, dass „...der Anblick Alt- und Neu-Berlins uns fühlen lässt: Das all´ ist uns gemeinsam.“. Dementsprechend setzte sich der Verein auch intensiv für die Errichtung eines Berlin-Museums in Berlin (West) ein. Die Leitung des Fördervereins übernahm der erste Rektor der Freien Universität Berlin, unser Mitglied Prof. Dr. Edwin Redslob. 1964 beteiligte sich der Verein mit Leihgaben an der Eröffnung des Museums in dem vorläufigen Domizil Stauffenbergstraße 41.
Im Mittelpunkt des Jahres 1965 standen für den Verein die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum. Im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses im Rathaus Schöneberg übermittelte auf einer Festsitzung der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und Vizekanzler Dr. Erich Mende die Glückwünsche der Bundesregierung und hob hervor: „Der Verein für die Geschichte Berlins hat sich verdient gemacht in einhundert Jahren idealistischer Arbeit um die Wahrung des Andenkens dieser großen Stadt und ihrer Kulturwerte, aber auch um die Vermittlung der Werte eines Jahrhunderts an die heutige, an die kommenden Generationen.“
Anlässlich des Jubiläums wurde u. a. der Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt zum Ehrenmitglied ernannt. Als 14. Folge des Jahrbuches erschien eine umfangreiche Festschrift mit zahlreichen Beiträgen, darunter eine von Rudolf Danke zusammengestellte Chronik „100 Jahre Verein für die Geschichte Berlins“. Ab dem Jubiläumsjahr gab es auch wieder die seit dem Frühjahr 1943 nicht mehr gedruckten Vereinsmitteilungen, nunmehr unter dem bis 1933 gebräuchlichen Namen „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins“.
In den folgenden Jahren wuchs die Mitgliederzahl stetig an. Neben den Vorträgen und Führungen wurden auch Studienfahrten innerhalb Deutschlands angeboten. 1967 übernahm der Kieferchirurg und Medizinhistoriker Prof. Dr. Dr. Walter Hoffmann-Axthelm für elf Jahre den Vereinsvorsitz. Mit der Wahl von Dr. Hans Günter Schultze-Berndt zum Schriftführer im Folgejahr sollte der Verein eine Persönlichkeit gewinnen, die über mehr als ein Vierteljahrhundert hinweg das Vereinsleben entscheidend zu prägen vermochte. Der immer freundlichliebenswürdige Geschäftsführer der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin verstarb leider, erst 68 Jahre alt, im Jahre 1996.
1969 erschien nach 31 Jahren Unterbrechung das 42. Mitgliederverzeichnis seit Vereinsgründung und drei Jahre später lag die Zahl der Mitglieder über 700.
1973 wurden die Bibliotheksräume im Ernst-Reuter-Haus aufgegeben und der Verein bekam für seine Bestände und für Sitzungen eine neue Heimstatt im Rathaus Charlottenburg, auch die Vorträge fanden nunmehr dort statt. Leider stellte der Senat von Berlin in diesem Jahr seine Zuwendungen für die Herausgabe des Jahrbuches ein. r die Herausgabe des Jahrbuches ein. Für seine Verdienste um die Erforschung und Popularisierung der Geschichte Berlins wurde dem scheidenden stellvertretenden Vorsitzenden Kurt Pomplun (Mitglied seit 1963) 1975 die Fidicin-Medaille verliehen.
Das reichhaltige Angebot des Vereins (Publikationen, Vorträge, Führungen, Studienfahrten) bewirkte ein stetiges Wachsen der Mitgliederzahl, 1980 war die Zahl bei 895. Dr. Richard von Weizsäcker (Mitglied seit 1978) erhielt wegen seiner Verdienste, die er sich als Regierender Bürgermeister von Berlin in den Jahren 1981 – 1984 erworben hatte, 1984 die Ehrenmitgliedschaft.
Das Jahr 1987 stand auch für den Verein ganz im Zeichen der 750-Jahr-Feier Berlins. Das Jahrbuch erschien in einem erweiterten Umfang, und der Verein beteiligte sich an der großen Berlin-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Ein Faltblatt warb für die Veranstaltungen des Vereins, die Festveranstaltung im Schöneberger Rathaus wurde von allen Teilnehmern als gelungen bezeichnet. 1987 konnte auch Eberhard Diepgen, von 1972 bis 1976 schon einmal Mitglied im Verein, nunmehr als Regierender Bürgermeister wieder zum Eintritt gewonnen werden.
Im Mai 1989 erschien als vorerst letztes 64. Heft der Reihe „Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins“: Einmal Emden – Berlin und zurück im Frühjahr 1683. Die beengten Verhältnisse der Vereinsbibliothek im Rathaus Charlottenburg hatten 1989 ein Ende. Durch eine Spende der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin in Höhe von mehr als 80.000 DM für neues Mobiliar und Umzugskosten war es möglich, Räumlichkeiten der Berliner Sparkasse direkt am U-Bahnhof Blissestraße (Berliner Straße 40) zu beziehen.
Das 125-jährige Jubiläum des Vereins wurde am 28. Januar 1990 mit einer Festveranstaltung im Kammermusiksaal der Philharmonie begangen. Der seit 1985 als Vereinsvorsitzender wirkende Bürgermeister von Berlin und Senator a.D. Hermann Oxfort konnte hier nach dem Fall der Mauer mehr als 700 Gäste, darunter auch viele aus dem Ostteil der Stadt, begrüßen. Prof. Dr. Richard Löwenthal, Nestor der Berliner Politikwissenschaft, hielt den Festvortrag.
Die Vereinstätigkeit nach der Wiedervereinigung 1991 war es erstmals wieder möglich, die Mitgliederversammlung in Berlins historischer Mitte im Berliner Rathaus zu veranstalten. Frau Professor Dr. Margarete Kühn (Mitglied seit 1949), die langjährige Direktorin der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, erhielt für ihr Lebenswerk zum 2. Mal die Fidicin-Medaille (1. Ehrung 1974). Mit Unterstützung Ernst Reuters hatte sie sich u. a. energisch dem drohenden Abriss des Schlosses Charlottenburg widersetzt.
Der Vereinsvorstand trat mit der Aufforderung an die Öffentlichkeit, die historische Mitte der Stadt so weit wie möglich wiederherzustellen. Hans-Werner Klünner begeisterte in den Folgejahren durch seine legendären Führungen durch die Stadtmitte.
Die Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten gab 1994 dem Verein die Zusage, für seine Bibliothek Räume in dem von Daniel Liebeskind entworfenen Erweiterungsbau des Berlin-Museums zur Verfügung zu stellen. Durch die Gründung des eigenständigen Jüdischen Museums Berlin und Aufgabe des Berlin-Museums in der Lindenstraße waren diese Pläne schließlich obsolet. Die Suche nach alternativen Standorten für die Vereinsbibliothek zog sich hin.
1996 beschloss der Vorstand auf Initiative des Mitgliedes Dirk Pinnow nach einer Projekt-Präsentation auf einer Vorstandssitzung, zukünftig auch eine Präsentation des Vereins im Internet anzubieten. Die PINNOW & Partner GmbH übernahm als Sponsor die Erstellung, Pflege und Unterhaltung der Website in der sich über eine halbe Dekade erstreckenden Pilotphase (http://web.archive.org/web/19971221080922/pinnow.com/VfdGB.htm).
Mitte der 1990er-Jahre bestanden noch viele Bedenken und eine starke Zurückhaltung gegenüber einem solchen Schritt. Zur Veranschaulichung und Hintergrundbetrachtung verfasste Dirk Pinnow daher den Aufsatz „Der Verein für die Geschichte Berlins, gegr. 1865, im Internet – An der Schwelle zum Informationszeitalter“, der in Heft 2 der MITTEILUNGEN, 94. Jahrgang, S. 370 ff, abgedruckt wurde.
1997 erhielt der Verein auf Grund eines Vertrages mit der Zentral- und Landesbibliothek Berlin Räume in einem Flügel des Neuen Marstalls am Schlossplatz 7 in Berlin-Mitte. Am 3. Dezember 1997 konnte die Bibliothek nach dem Umzug den Mitgliedern auf 158 qm vorgestellt werden. Später kam noch ein Sitzungszimmer von 28 qm2 hinzu.
Seit 1994 organisierte Dr. Manfred Uhlitz mehr als zehn Jahre zwischen 40 und 50 Veranstaltungen jährlich. 1998 begannen die erfolgreichen Auslands-Studienfahren unter der Leitung des Diplom-Geographen Reinhard Hanke (Mitglied seit 1981): Danzig 1998, Schlesien 1999, Königsberg/nördliches Ostpreußen 2000, Prag 2001, Krakau 2002, Baltikum 2003, Sankt Petersburg 2004.
1998 erhielt der stellvertretende Vorsitzende Hans-Werner Klünner aus Anlass seines 70. Geburtstages die Fidicin-Medaille und den Verdienstorden des Landes Berlin. Der Chronist Berlins starb leider schon im Folgejahr. 1999 löste der Präsident des Berliner Verfassungsgerichts Professor Dr. Klaus Finkelnburg den aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierenden Vorsitzenden Hermann Oxfort ab. Die Vermittlung der Bibliotheksräume sowohl in Wilmersdorf wie auch am jetzigen Standort in Berlin-Mitte sind vornehmlich Oxforts Verhandlungsgeschick zu verdanken.
Die weltweite Wirkungsmöglichkeit und der nunmehr unstrittige Nutzen einer eigenen Website führte zu dem Beschluss, die bisherige Pilotphase des Internet-Auftrittes zu beenden, eine eigene Web-Domain mit einem aussagekräftigen Namen registrieren zu lassen und das Internet nunmehr als eigenständiges Medium aufzufassen, für welches auch losgelöst von den gedruckten Publikationen Inhalte zu erstellen sind. So ist seit 2001 die Internet-Präsenz des Vereins unter dem zugkräftigen Namen www.DieGeschichteBerlins.de mit einem stetig erweiterten Angebot zu finden.
Die Konzeption und Redaktion der neuen Website lag über Jahre in den Händen von Dr. Gerhild H. Komander, die auch die Schriftleitung der Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins von 1999 bis zum Frühjahr 2005 mit Engagement und Fachwissen ausübte. Mit Hilfe des Buchhändlers und Verlegers Wieland Giebel wurde 2004 die Umstellung der Internetseiten des Vereins finanziert. Er vermittelte als neuen Webmaster Dipl.-Ing. Joest Feenders, der sich seitdem mit großem persönlichem Einsatz intensiv und ideenreich um die Internet-Präsentation verdient macht.
Seit 2004 weitete Dirk Pinnow das Veranstaltungsprogramm nochmals aus und setzte neue Schwerpunkte. Im Jahr 2007 wartete er mit der Rekordzahl von 61 Veranstaltungen auf. Die langjährigen Herausgeber unseres Jahrbuches „Der Bär von Berlin“ Prof. Dr. Sibylle Einholz und Dr. Jürgen Wetzel wurden mit der Fidicin-Medaille geehrt.
Der Status unseres Vereins als Alt-Korporation war durch das Gesetz zur Änderung stiftungsund vereinsrechtlicher Vorschriften vom 3. Juli 2003 zu ersetzen. Nach den erforderlichen Satzungsänderungen wurde der Verein am 9. November 2005 in das Vereinsregister eingetragen, wir sind seitdem ein eingetragener Verein.
Dr. Manfred Uhlitz, Kunsthistoriker und Sohn des langjährigen Mitgliedes Dr. Otto Uhlitz, erhielt im Mai 2005 die Mehrheit der Stimmen bei der Wahl des Vereinsvorsitzenden und löste den nicht mehr kandidierenden Prof. Dr. Klaus Finkelnburg ab. Letzterer bekam vom Verein zum Dank für seine Arbeit in drei Amtsperioden und für sein Wirken für Berlin die Fidicin-Medaille. Der Bundespräsident würdigte seine Verdienste um Berlin durch die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes.
Durch die Einarbeitung bisher nicht erfasster Bestände, Beschaffungen aus anderen Archiven und Schenkungen antiquarischer Bücher erhöhte sich die Zahl der Eingänge in der Vereinsbibliothek erheblich, 2006 wurden 1.472 Neueingänge registriert, 2007 sogar 1.581.
Karlheinz Grave (Mitglied seit 1954) beendete 2007 aus Anlass seines 80. Geburtstages nach fünf Jahrzehnten Einsatz für die Vereinsbibliothek sein Engagement und schied auch aus dem Vorstand aus. Die Fidicin-Medaille hatte er bereits 1977 für den Wiederaufbau der Bibliothek erhalten.
Seit 2007 sind die Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins der Jahre 1884 bis 1943 dank unseres Vorstandsmitgliedes Peter Borchardt, Leiter des Zentrums für Berlin- Studien, im Internet verfügbar, seit 2008 auch die Ausgaben der Jahre 1965 bis 1997. In der zwischenliegenden Zeit kamen keine gedruckten Mitteilungen heraus.
Die Zugriffszahlen auf die Website des Vereins haben sich in den letzten Jahren auf einem hohen Niveau bewegt, wobei das Forum seine herausragende Stellung behaupten konnte.
Durch die Wahl von Dr. Franziska Nentwig, Generaldirektorin der Stiftung Stadtmuseum Berlin, Prof. Dr. Uwe Schaper, Direktor des Landesarchivs Berlin, Dr. Klaus von Krosigk, stellvertretender Leiter des Landesdenkmalamtes Berlin und Peter Borchardt, Leiter des Zentrums für Berlin-Studien innerhalb der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, sind im Vorstand des Vereins die wichtigsten Institutionen für die Förderung unserer Ziele vereint.
Literaturhinweise: Dr. Béringuier, Richard: Ausführliche Beschreibung der Feierlichkeiten aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Vereins für die Geschichte Berlins, Berlin 1890 (Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins Heft 28) Tätigkeitsberichte in den Jahrbüchern Der Bär von Berlin ab der 13. Folge 1964 Danke, Rudolf: 100 Jahre Verein für die Geschichte Berlins – Versuch einer Chronik, in Der Bär von Berlin Folge 14, 1965, S. 325 – 405 Verein für die Geschichte Berlins, gegr. 1865 – vorgestellt in einer 18-seitigen Broschüre der Studenten des Studienganges Museumskunde der FHTW Berlin, Berlin 2000. (Die Broschüre ist in der Bibliothek des Vereins erhältlich.) Dr. Komander, Gerhild: 140 Jahre Verein für die Geschichte Berlins In Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins Jg. 101, 2005 S. 146 – 147. und die Gründung des Vereins für die Geschichte Berlins 1865. Mende, Martin: Julius Beer und die Gründung des Vereins für die Geschichte Berlins 1865. In Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins Jg. 102, 2006 S. 381 – 384.
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