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Allgemeine Fragen zur Geschichte Berlins

THEMA: Ateliergemeinschaft Klosterstraße Berlin 1933-1945

Re: Ateliergemeinschaft Klosterstraße Berlin 1933-1945 21 Mär 2019 05:11 #1482070496

  • Anonymus
  • Anonymuss Avatar Autor
Sehr geehrter Herr Mende, ich bin eine Enkelin von Kurt Spribille, Bildhauer, * 1904 Neisse. Mein Großvater war Mitglied der Ateliergemeinschaft, es ist interessant, hier ein wenig über den Ort und die damalige Zeit zu lesen. Mit herzlichem Gruß, Silja Forck

Re: Ateliergemeinschaft Klosterstraße Berlin 1933-1945 08 Jan 2011 08:52 #1294476755

  • Constanze Suhr
  • Constanze Suhrs Avatar Autor
Obwohl diese Frage schon alt ist: Zufällig bin ich darauf gestoßen und möchte auf den Katalog der Akademie der Künste hinweisen, die 1994 eine gleichnamige Ausstellung konzipiert hatte: Ateliergemeinschaft Klosterstraße Berlin 1933-1945, Künstler in der Zeit des Nationalsozialismus.
Grüße,
CSuhr

Re: Ateliergemeinschaft Klosterstraße Berlin 1933-1945 21 Apr 2008 12:23 #1208780590

  • Martin Mende
  • Martin Mendes Avatar Autor
Vom 18. 4. bis 12. 7. 2008 läuft in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Stauffenbergstr. 13-14 eine Sonderausstellung unter dem Titel "Christenkreuz und Hakenkreuz - Kirchenbau und sakrale Kunst im Nationalsozialismus". Auf einem Großfoto wird auch die Christusfigur "Auferstehender" aus der Kirche St. Marien in Strasburg/Uckermark von dem Bildhauer Günther Martin gezeigt mit folgendem Text:
"Der Bildhauer Günther Martin (1896- 1944) schuf vorwiegend überlebensgroße Holzskulpturen, die damals als Verkörperungen des "nordischen Menschen" charakterisiert wurden. Er war schon früh Nationalsozialist. Von 1933 bis zu seinem Tode war Martin Obmann der Berliner Ateliergemeinschaft Klosterstraße und nutzte seine guten Kontakte zu staatlichen Stellen im Interesse ihrer Mitglieder. In dem Atelierhaus arbeiteten sehr unterschiedliche Künstler, wie Werner Heldt, Hermann Blumenthal und auch Heinrich Mekelburger. Das Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vermittelte Aufträge an die Mitglieder der Ateliergemeinschaft für kirchliche Kunstwerke."
Die Ausstellung zeigt auch in einem gesonderten Raum die seit 1995 unter Denkmalschutz stehende Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin-Mariendorf, die in der NS-Zeit gebaut zahlreiche Hinweise auf ihre Entstehungszeit aufweist. Der Bau ist seit 2004 geschlossen und muss saniert werden, aber es fehlt auch ein Nutzungskonzept. In dieser Kirche war es erstaunlicherweise 1938 noch möglich, dass Johanna Klepper, die jüdische Frau des Schriftstellers Jochen Klepper, hier getauft und das Paar kirchlich getraut wurde.
Die Ausstellung ist sehenswert.

Re: Ateliergemeinschaft Klosterstraße Berlin 1933-1945 14 Aug 2006 18:49 #1155581342

  • Jörg Kluge
  • Jörg Kluges Avatar Autor
Hallo Gerhild,

Danke für den Hinweis! Ist mir bekannt. Siehe Beitrag von Herrn Mende.

Mir ging es um weitere Informationen der Ateliergemeinschaft.

Viele Grüße
Jörg

Re: Ateliergemeinschaft Klosterstraße Berlin 1933-1945 14 Aug 2006 16:56 #1155574604

  • Gerhild Komander
  • Gerhild Komanders Avatar Autor

Re: Ateliergemeinschaft Klosterstraße Berlin 1933-1945 14 Aug 2006 13:26 #1155562000

  • Martin Mende
  • Martin Mendes Avatar Autor
Dr. Hans Jürgen Meinik hat nach dem Kenntnisstand von 1974 einen Aufsatz über den Bildhauer Günther Martin und die Ateliergemeinschaft Klosterstr. in den Vereinsmitteilungen von 1974 verfasst, nachzulesen auf den Seiten des Vereins bei Aufruf unter dem Stichwort "Martin" bei der Rubrik "Persönlichkeiten".
Frau Jutta Ditfurth aus Frankfurt/Main hält diese Biografie für geschönt, ohne ihre Ansicht näher zu begründen. Der Autor Dr. Meinik kann nach mehr als 30 Jahren nicht mehr befragt werden.
Richtig ist, dass Käthe Kollwitz nach der Machtergreifung Hitlers ihr Atelier als Leiterin der Meisterklasse für Grafik in der Hardenbergstr. aúfgeben musste.
Im Atelierhaus in der Klosterstr. hatte sie dann einen kleinen Arbeitsraum bis zur Aufgabe im Jahre 1940.
Die Ateliergemeinschaft in der Klosterstr. 75 hat vom Herbst 1933 bis zum Frühjahr 1945 bestanden. Sie vereinte ca. 40 Bildhauer, Maler und Grafiker der unterschiedlichsten Stilrichtungen. Zu ihnen gehörte Herbert Tucholski, der sich später in der "Weltbühne" 1967 Nr. 26, S. 821 f. zu Käthe Kollwitz wie folgt äußerte: "Regen Anteil nahm Käthe Kollwitz am gemeinschaftlichen Leben des Atelierhauses; in den monatlichen Versammlungen war sie Mittelpunkt, obwohl sie gewöhnlich schweigend auf ihrem Platz saß..."
Auch über die Arbeitsbedingungen in der NS-Zeit erfahren wir von Herbert Tucholski etwas in seinem Aufsatz in der "Weltbühne" 1969, Nr. 51 S. 1627 f.:
"Mit der Weisung "staatsfeindliche'" Kollegen fernzuhalten, war Martin zum "Obmann" des Hauses bestimmt worden. Damit hatte das Ministerium den Bock zum Gärtner gemacht, denn der vom Nationalsozialismus längst enttäuschte Günther Martin war ein braver Mann, der seine Nazi-Uniform nur anzog, wenn es galt, politisch verfemte Kollegen zu schützen. Unter den 40 Atelierinhabern waren 10 Prozent unbestechliche Antifaschisten, zehn Prozent gefährliche Nazis; die Mehrzahl der Künstler glich Treibhölzern. Ein Bildhauer, Paul Gruson, entpuppte sich plötzlich als Musternazi und Preisträger eines "Horst-Wessel-Denkmals"; der Ehrgeizling mußte jedoch wegen einer verschwiegenen "nichtarischen" Großmutter in der Versenkung verschwinden.
Noch gab es im Atelierhaus drei Nazis, die weiter intrigierten. Als der Bildhauer Heinz Worner nach Prag geflüchtet war, entdeckte die Gestapo bei der Durchsuchung in seinem verlassenen Atelier einige Exemplare der "Roten Fahne".
Nun wurden weitere Kollegen verdächtigt, vor allem Käthe Kollwitz und Günther Martin, dem jedoch das Wunder gelang, die drei Pg´s mitsamt dem undurchsichtigen Hausmeister hinauszuwerfen. Alsbald verschwand auch das große Schild am Eingang: "Hier gilt der Gruß Heil Hitler"; der neue Hausmeister, ein alter Genosse, hatte diese in Fraktur geschriebene Hinterlassenschaft der drei
Pg´s als Makulatur behandelt und in den Ofen gesteckt.
Weitere Besuche der Gestapo blieben aus..."
In der DDR war im Studio des Alten Museums 1976 eine kleine Ausstellung über die Ateliergemeinschaft Klosterstraße, ergänzt durch einen schmalen Katalog von 16 Seiten mit einem Vorwort von Ilse Oschütz.
Vielleicht hilft die Lektüre der Schilderungen des Zeitzeugen Herbert Tucholski Frau Jutta Ditfurth, ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Künstler Günther Martin aufzugeben.
Mit freundlichen Grüßen

Martin Mende