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Verein für die Geschichte Berlins, gegr. 1865
Im Haus der Zentral- und Landesbibliothek Berlin
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Aschenbrenner, Michael
Michael Aschenbrenner (1549 - 1605)

Von Hermann Gelder

Gelegentlich meiner Arbeit über die ältesten (privilegierten) Apotheken Berlins stieß ich sehr bald auf Michael Aschenbrenner als eine der interessantesten Persönlichkeiten in diesem Kreise. Geboren 1549 zu Bernau in der Mark als Sohn des Tuchmachers Simon Aschenbrenner, besuchte er die Schule zu Berlin und Halle und wurde dann durch wohlwollende Gönner an den Hof von Berlin gebracht, „um sich der Schreiberei zu widmen". Die Kurfürstin Katharina fand Gefallen an dem aufgeweckten, stets dienstbeflissenen Jüngling und schickte ihn, da sie von seinem Interesse für die Apothekerkunst hörte, zur Ausbildung in ihre Hofapotheke zu Küstrin, später zu Leonhard Neumeister [1], der seit 1570 in Berlin weilte und in der Klosterkirche sein alchimistisches Laboratorium eingerichtet hatte. Damit er bei den chemischen Arbeiten zusehen und lernen durfte, bezahlte der Kurfürst Joachim Friedrich für ihn 200 Gulden und die Kost. Später, vor seinem plötzlichen Verschwinden, übergab M. Aschenbrenner den Schlüssel zu den geheimnisvollen Räumen.

1585 ging er in geheimer Mission nach Dresden, um mit dem dortigen Baumeister Peter Kummer d. Ä. den Bauplan der Schloss- (späteren Hof-) Apotheke zu besprechen, deren Einrichtung sowohl wie die der im gleichen Gebäude untergebrachten Münze nach seinen Angaben erfolgte und die er verwaltete bis zum Eintreffen des ersten Hofapothekers Krispin Haubenschmidt, der in dieser Eigenschaft schon in Halle gewirkt hatte. Nach Küster war Aschenbrenner gleichzeitig „Brandenburgischer Münzmeister und des Heil. Röm. Reiches oberster Sächsischer Wardein, auch kurfürstlicher geheimbder Diener".

Während seiner Tätigkeit im Schlosse bewohnte er das Haus Breite Straße 36. 1588 erwarb Aschenbrenner auf Anraten des Kurfürsten die beiden Apotheken, deren Privilegien 1556 vom Kurfürsten Joachim II., dessen Leibarzt Dr. Augustin Steel als Entgelt für fünfjährige Dienste, die der Kurfürst nicht anders bezahlen konnte, verliehen worden waren. Die eine von diesen, „Zur goldenen Kugel", Köllnischer Fischmarkt 1/2, war bis dahin von Georg Krause, die andere, am Molkenmarkt 4, von Georg Scholle verwaltet worden. Der Kaufpreis von 1200 Talern sollte in zwei Jahren bezahlt werden.

Vermählt war Aschenbrenner mit Christiane Musculus, der Tochter des bekannten Hofpredigers und Lic. theol. Musculus. Schon zu Lebzeiten hatte er verfügt, in der Turmhalle der Nikolaikirche „gegenüber dem Herrn Alrardo" begraben zu werden, was dann auch nach seinem 1605 erfolgten Tode geschah. Unter dem „Herrn „Alrardus" ist Johannes Zehender zu verstehen, der 1488-1515 Besitzer der ältesten, im Jahre 1740 eingegangenen Apotheke in der Poststraße 16 war, und dessen Grabstein als ältestes Denkmal der Nikolaikirche überhaupt erhalten ist. So flankieren denn noch heute die Bildnisse zweier Apotheker aus der ältesten Zeit den Westeingang der genannten Kirche. Außer durch dieses künstlerisch schöne Grabmal wurde das Andenken an Aschenbrenner und seine Gemahlin wachgehalten durch beider Wappen-Exlibris mit Sprüchen. Bücher mit diesen Blättern bezeichnet, gelangten später in die kurfürstliche, dann königliche Bibliothek. Abgebildet ist das Bibliothekszeichen, das älteste bekannte Berliner Exlibris überhaupt, in v. Heinemann „Die Exlibris der Herzogl. Bibliothek in Wolfenbüttel". In der Sammlung der Bibliothek des Grauen Klosters befindet sich auch noch die Leichenpredigt Aschenbrenners. Seine Tochter Elisabeth heiratete den Apotheker Christoph Peuzer, der die Apotheke „Zur goldenen Kugel" übernahm, während die Molkenmarkt-Apotheke an Chr. Földerich verkauft wurde. Beide Apotheken bestehen nach mehreren Verlegungen und Änderung der Zeichen noch heute, 368 Jahre nach der Gründung, und zwar die erstgenannte als Apotheke „Zum Goldenen Adler", Alexandrinenstraße 41, die andere als Dr. Brettschneiders Apotheke, Oranienburger Straße 37.

Aus „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins" Nr. 1-3/1925

 

Anmerkung:

  1. gemeint ist Leonhard Thurneysser, Korrektur 2010 von M. Mende


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