| Bibliotheksgeschichte |
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Vom Berliner Rathaus zum Deutschen Dom Bibliothek und Archiv des Vereins für die Geschichte Berlins 1865 bis 1945 Von Martin Mende Der 1865 gegründete Verein für die Geschichte Berlins sah es immer als seine Aufgabe an, das landeskundliche und geschichtliche Interesse in wissenschaftlicher und populärer Form zu fördern. Die Schaffung einer Spezialbibliothek zum Studium der Berliner Geschichte bildete dabei ein wesentliches Element.
1871 begann der Tausch von Schriften mit anderen Vereinen und die Sammlung von photographischen Porträts der Mitglieder. Die heute noch wertvollste Druckschrift gelangte bereits 1871 in den Besitz der Bibliothek. Der General-Agent der Kölner Feuerversicherung C. Osterwald schenkte dem Verein einen Band über das 1510 erfolgte Strafverfahren gegen die märkischen Juden. Diese seltene Druckschrift von 1511 enthält 24 Holzschnitte, wovon 15 als vergrößerte Kopien auch in der ständigen Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin zu finden sind.[2]
Nach der Reichsgründung: Eigene Räume im Deutschen Dom In den ersten zehn Jahren besaß der Verein noch keine eigenen Räumlichkeiten.1874 machte schließlich Carl Brecht den Vereinsvorsitzenden Louis Schneider auf Räume im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt aufmerksam, die von der dort ansässigen Armenverwaltung nicht genutzt wurden. Eine erste Anfrage an den Minister für Handel und Gewerbe um Zuweisung der Räumlichkeiten zur „Einrichtung eines städtischen historischen Museums, einer Bibliothek und einer Bildsammlung" blieb jedoch unbeantwortet. Erst 1875 erreichte Schneider dank der Fürsprache des Kaisers die Überlassung von Zimmern in der ersten Etage des Deutschen Domes für „Vereins-Konferenzen und die Unterbringung der dem Verein gehörigen Bücher und Skripturen".[3] Eine steile Treppe führte die Besucher in das obere Stockwerk; linker Hand lagen ein Sitzungszimmer sowie am Ende des Flures die zwei kleineren Bibliothekszimmer - alle Zimmer mit der Fensterfront zur Markgrafenstraße. Am Flurende schaute man durch ein Fenster auf die Mohrenstraße, später wurde dort ein Abstellraum eingerichtet. Nach dem Einzug im April 1875 wurde ein Inventar erstellt, das neben 646 Bänden, fünf vollständigen Exemplaren der vom Verein herausgegebenen Schriften, zwei Aktenstücken mit Manuskripten, auch 18 Bierseidel, eine Waschschüssel, einen Spucknapf und ein Porzellan-Nachtgeschirr verzeichnete. Mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden 1875 gab Ernst Fidicin das Amt des Bibliothekars an den Kanzleirat und Registrator Brecht ab, der Bibliothek und Archiv bis 1879 verwaltete. Brecht formulierte erstmals Bestimmungen über die Nutzung und Ausleihe, die danach Mitgliedern vorbehalten blieb.1878 zählte die Bibliothek 1050 Nummern; der Wert der Bücher, Urkunden, Handschriften und Karten wurde auf 13.700 Mark geschätzt, der des Inventars auf 2400 Mark, die dem Märkischen Museum leihweise überlassenen Münzen und Medaillen wurden auf 300 Mark geschätzt.[4] 1879 wurde Friedrich Brose, Kanzleisekretär im Geheimen Staatsarchiv, Vereinsarchivar und - entsprechend dem geänderten Vereinsstatut - neben dem Bibliothekar zugleich Mitglied des neunköpfigen Vorstands. Unter dem neuen Bibliothekar Leo Alfieri, Kaufmann und Stadtverordneter, erschien als Heft 18 der Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins 1881 erstmals ein Bestandskatalog mit 2139 Einheiten.[5] Im gleichen Jahr nahm man die bisher im Märkischen Museum aufbewahrten Schriftstücke als Grundstock einer Handschriftensammlung in die eigene Verwaltung. Bei Übernahme der Bibliotheksleitung durch den Rechnungsrat Hugo Guiard 1883 befanden sich in der Bibliothek 2897 Bücher und 1738 Karten, Pläne und Ansichten. Zuwachs erhielt die Bibliothek noch in anderer Hinsicht:
Erweiterung vom Ende des 19. Jh. bis zum Ersten Weltkrieg Nach dem Tode von Brose 1890 wechselten die Archivare in schneller Folge. Broses Nachfolger Wilhelm Weber, Sekretär beim Stadtarchiv, verstarb bereits 1892, ihm folgte zunächst der Kanzleirat Gustav Seyler, Bibliothekar im Handelsministerium, und bereits 1893 der Rektor der Luisenschule Waldemar Bonnell. 1896 verfasste Hugo Guiard den ersten reinen Bibliothekskatalog mit nunmehr 4244 Nummern. Zur Berliner Gewerbeausstellung im gleichen Jahr präsentierte der Verein in einer Sonderausstellung eigene Archivalien in der nachgebauten Heiliggeistkirche im Treptower Park.[6] Schon Jahre zuvor hatte der Verein zur Förderung der Sangeslust 1891 nach den Vorschlägen einer Kommission ein „Berlinisches Liederbuch" als Taschenbuch für 60 Pf. herausgegeben und über den Vereinsboten vertrieben. Zwei Exemplare dieses Liederbuches befinden sich noch heute in der Bibliothek. Der seit 1900 als Vereinsarchivar tätige Kaufmann Erich Marquardt erwähnte im Jahresbericht 1901 erstmals die Waffensammlung des Vereins. Der von ihm verzeichnete Bestand von 79 historischen Waffen aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte wurde schon im folgenden Jahr erheblich vermehrt, so dass die Reihe der Handfeuerwaffen aus der Zeit Friedrich Wilhelms I. nunmehr nahezu vollständig war. Während man damals bei den blanken Waffen noch große Lücken bedauerte, konnte für die Geschoss-Sammlung ein geeigneter Schautisch aufgestellt werden. 1907 wurde die Waffensammlung nochmals ergänzt: Auf Anordnung des preußischen Kriegsministers Karl von Einem erhielt der Verein aus dem Bestand des Königlichen Zeughauses zwei ältere Infanteriehelme und eine Anzahl Gewehrteile.
Der Erfolg, die bedeutende Vergrößerung der Sammlung, konnte jedoch nicht über die dauerhaft problematischen Arbeitsbedingungen täuschen: Schon Bonell hatte 1893 die Unordnung im Archiv und die ungeheizten Räume beklagt und auch zehn Jahre später hieß es im Jahresbericht von 1902 unmissverständlich: „Bei dem steten Anwachsen der Bibliothek macht sich in bedauerlicher Weise die Unzulänglichkeit der Räume von Jahr zu Jahr immer fühlbarer. Die getrennte Lage der einzelnen Zimmer erschwert die Verwaltung ungemein, überdies sind die Räume nicht heizbar, so dass ein längeres Verweilen in ihnen im Winter unmöglich ist und die gesamte Bibliotheksarbeit auf die wärmere Jahreszeit zusammengedrängt wird." Erst 1906 erhielt der Archivraum endlich einen Gasofen. 1910 legte Hugo Guiard nach 26jähriger Tätigkeit sein Amt als Bibliothekar nieder, der Magistrats-Assessor Ludwig Schultz übernahm seine Aufgaben. Die Folgejahre brachten räumliche Erweiterungen, Archiv und Bibliothek konnten getrennt werden. Die Bibliothek bekam die beiden kleineren Zimmer für sich allein, das Archiv befand sich jetzt im ehemaligen alten Sitzungszimmer und die Vereinsschriften und Zeitungen lagerten im Bodenraum, nur durch eine dunkle Treppe vom Flur aus erreichbar. Im Korridor stapelten sich bis 1943 die Tauschschriften. Immerhin waren Bibliotheks- und Archivräume nun durch Gasöfen beheizbar, was in den Kriegsjahren wenig half, weil das Gas fehlte. 1916 legte der Magistrat eine Wasserleitung und am Ende des Krieges erhielt der Verein im Erdgeschoss Eingang Taubenstraße ein weiteres beheizbares Zimmer.
Bibliotheksentwicklung in der Weimarer Republik 1922 nahm der Studienreferendar und Literaturhistoriker Felix Hasselberg seine Tätigkeit als Bibliothekar auf. Er führte 1923 in der schweren Zeit der Inflation für Nichtmitglieder eine Jahresgebühr von einer Goldmark ein und rief die Mitglieder zu Geldspenden auf, wobei „auch Kohlen (Briketts) dankbar entgegengenommen" würden.[8] In der Inflationszeit mangelte es wieder einmal an Licht und Wärme, da Gas nicht vorhanden war; elektrisches Licht wurde in den Vereinsräumen erst 1933 verfügbar. Als Mitarbeiter des Autographen-Auktionshauses Stargardt regte Hasselberg die zielbewusste Sammlung von Autographen mit Berlin-Bezug an und erreichte, dass ab 1924 regelmäßig Ankäufe getätigt werden konnten. 1924 war die Bibliothek auf ca. 6500 Einheiten angewachsen. Raumnot und die Feuchtigkeit der Wände verlangten nach einer Veränderung. Während der Magistrat die Arbeit des Vereins mit einer jährlichen Überweisung von 1000 RM unterstützte, forderte der Bezirk Mitte im Gegenzug für die Räume im Deutschen Dom 500 RM als jährliches Nutzungsentgelt. In einer Festschrift zum „Eisbeinessen der Domherren" im Alten Dorfkrug von Marienfelde 1925 kann man deshalb die prophetischen Reime lesen: 1928 deutete der Magistrat erstmals an, den Verein im geplanten Neubau von Stadtbibliothek und Stadtarchiv am Bülowplatz (heute Rosa-Luxemburg-Platz) unterbringen zu wollen. Der Verein stand jetzt im Tauschverkehr mit 131 Institutionen; die Zahl der jährlichen Bibliotheksbesucher überstieg 500 bei mehr als 1000 Entleihungen. 1929 starb der langjährige Helfer im Archiv und der Bibliothek, der ehemalige Solotänzer der Staatsoper Wilhelm Wtorczyk, nachdem er kurz zuvor noch die Fidicin-Medaille entgegennehmen konnte.1930 beteiligte sich der Verein mit seinen Beständen an der Sommerschau am Funkturm „Altes Berlin, Fundamente der Weltstadt". 1931 gab die Stadt Berlin die Nutznießung des Deutschen Domes auf und das Preußische Finanzministerium wurde Verhandlungspartner für den Verein, der Mietzins blieb unverändert. Die permanente Raumnot wurde 1932 durch die Aufstellung von Büchern im kleinen Vorstandszimmer teilweise behoben. Jedoch mahnte Bibliothekar Hasselberg in seinem Bericht für 1932 eine systematische Aufstellung der Bücher an und betonte, dass eine ehrenamtliche Verwaltung eines Tages nicht mehr möglich sein werde. Im Folgejahr erhielten Bibliothek und Sitzungszimmer endlich elektrisches Licht statt der schummrigen Gasbeleuchtung.
Die Bibliothek nach 1933
1936 stellten Bibliothek und Archiv für die Ausstellung „Berlin in sieben Jahrhunderten" zur Feier des Stralauer Fischzuges Abbildungen und Druckschriften zur Verfügung. Nach zehn Jahren Archivtätigkeit legte1937 der Architekt Willibald Meyer mit Rücksicht auf sein Alter von 65 Jahren sein Amt nieder, der Vorsitzende Hermann Kügler bestimmte zum Nachfolger Herbert Sommerfeld, den Leiter des Referats Kriminalforschung beim Reichskriminalpolizeiamt. Angesichts der geschilderten Nöte wurden die Perspektiven für die künftige Unterbringung des Vereins Thema der Rede Küglers auf der Hauptversammlung im Januar 1938. „Wir können", so referierte der Vorsitzende, „in unsern alten Räumen nun nicht länger mehr gedeihen: ihr Inhalt ist gewachsen und damit auch die ehrenamtliche Arbeitslast der Vorstandsmitglieder[...] Denken Sie etwa an das Archiv und die Bücherei, die beide nicht nur gründliche Kenner und Könner verlangen, sondern bei ihrer Größe und Bedeutung auch die entsprechenden Räume. Wie unzulänglich, ja gesundheitsschädlich diese sind, haben Sie in den letzten Jahren aus den Berichten der Leiter wiederholt vernommen. Ich bin deswegen im Frühjahr 1937 an unser Mitglied, den Direktor der Stadtbibliothek Herrn Dr. Schuster, mit der Bitte herangetreten, meine Vorschläge über eine engere Angliederung unseres Vereins an die Stadt Berlin anzuhören. Unsere Selbständigkeit sollte dabei gewahrt und ein schriftlicher Vertrag vereinbart werden. Am 4. 3. 1937 bin ich mit den Herren Hasselberg und Brockerhoff zu einer Vorbesprechung im Amtszimmer von Herrn Dr. Schuster gewesen. Meine Herren, wir haben eine völlige Einigung unserer Anschauungen erzielt und sind überzeugt, dass unser Verein, wenn er nicht in ein abseits stehendes und eigenbrötlerisches Dasein versinken und also zur Unfruchtbarkeit verdammt sein will, nur auf dem angestrebten Ziele einer Angliederung an die Stadtbibliothek und also an seine Heimatstadt zum Besten der Allgemeinheit wirken kann."[12] Anschließend erläuterte Wilhelm Schuster die Grundzüge der vorgesehenen Vereinbarung, wobei er die Unantastbarkeit der selbständigen Arbeit des Vereins und seines Eigentumsrechts betonte. Zwar solle die Bibliothek in die Verwaltung der Berliner Stadtbibliothek übergehen, dem Verein bliebe aber das Recht auf Erweiterung aus eigenen Mitteln und unter eigener Verantwortung. Die Stadt verpflichte sich, dem Verein einen Sitzungsraum sowie Räumlichkeiten für Bibliothek und Archiv (letzteres auch für Verwaltung und Erschließung gänzlich in Händen des Vereins verbleibend) zur Verfügung zu stellen, die Verwaltung und Erschließung der Bibliothek aber durch die Berliner Stadtbibliothek durchzuführen. Hierzu sei geplant, den jeweiligen 1. Bibliothekar des Vereins für täglich vier Stunden bei der Stadt anzustellen. Die Benutzung der Vereinsbibliothek stünde dann den Lesern der Stadtbibliothek nach Maßgabe der Göritz-Lübeck-Stiftung zur Verfügung, den Vereinsmitgliedern allein auch für die Ausleihe nach Hause Letztere sollten außerdem das Recht auf freie Benutzung der gesamten Bestände der Stadtbibliothek erhalten. Die Durchführung des Planes sei neben der Zustimmung der Stadt von der Lösung der auch bei der Stadtbibliothek sehr schwierigen Raumfrage abhängig, angedacht seien Räume im Marstall. Hasselberg zufolge belief sich der Gesamtbestand zu dieser Zeit auf 8.800 Werke, die Zahl der Bände auf ca. 25.000. Zunächst kam es jedoch zu keiner räumlichen Veränderung. Vielmehr berichtete Anfang 1939 der Archivar, es regne in die Räume herein und Teile der Sammlung seien inzwischen stockfleckig und schadhaft, zahlreiche Bilder hätten von den Wänden genommen werden müssen, zudem dürfe in den Archivräumen nicht mehr geheizt werden. Eine Kommission der Preußischen Bau- und Finanzdirektion erklärte nach einer Besichtigung, ein weiteres Verbleiben der Sammlungen in diesen Räumen sei nicht zu verantworten. Die Lage wurde aber noch schwieriger. Mit Beginn des Winters musste die Bibliothek bis zum April 1940 geschlossen werden; Hasselberg fiel durch Erfrierungen aus und wurde vorübergehend von Ernst Kaeber vertreten, der 2. Bibliothekar Kurt Brockerhoff musste zum Heeresdienst. Seit dem Herbst 1940 begann man wichtige Akten und einige Kostbarkeiten anderweitig unterzubringen. Vermutlich kamen in dieser Zeit Urkundenbücher und Bilder des Vereins in den Keller der Parochialkirche, zusammen mit historischen Sammlungen der kirchlichen Innenstadtgemeinden und der Kirchenbuchstelle des Stadtsynodalverbandes. Entscheidend für die Perspektiven von Bibliothek und Archiv wurde folgender, 1941 zwischen dem Verein und der Stadt Berlin geschlossener Vertrag, dessen Inhalt allerdings nicht umgesetzt wurde:[13]:
Die Vereinbarung tritt mit der Übersiedlung der Stadtbibliothek aus dem Marstall in neue Räume in Kraft." Dieser seinerzeit nicht mehr umgesetzte Vertrag war Ausgangspunkt für die Verhandlungen 1997 über eine Unterbringung des Vereins in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, die schließlich zum jetzigen Domizil im Neuen Marstall in der Mitte Berlins führten.
Vereinsräume und Bestände in Krieg -und Nachkriegszeit Drei Tage nach der letzten Vereinssitzung am 20. November 1943 wurde der Deutsche Dom durch einen Luftangriff schwer getroffen. Kügler musste den Mitgliedern mitteilen, dass Bibliothek und Archiv für die Dauer des Krieges geschlossen blieben. Das Beiblatt zur Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins, Nr. 3/1943 von Ende 1943 war die letzte Veröffentlichung des Vereins, danach versandte man an die Mitglieder nur noch Postkarten mit kurzen Mitteilungen und Einladungen zu den Veranstaltungen. Am 29. Januar 1944 brannte die Kuppel des Deutschen Doms, am Folgetag entstand weiterer Bombenschaden, woraufhin Kügler an die Mitglieder schrieb: „Bei den Angriffen der britisch-amerikanischen Hunnen am 30. Jan[uar] 1944 hat unser Verein sein Heim im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt und fast seine gesamte Bücherei und das Archiv verloren; nur wenig hat gerettet werden können. Was in 79 Jahren aufgebaut worden ist und die Heimatforschung befruchtet hat, ist sinnlos vernichtet worden.[...] Bücher und Bilder, die aus Archiv und Bibliothek des Vereins entliehen worden sind, bitten wir umgehend im Stadtarchiv, Berlin C 2, Rathaus Königstr. , Erdgeschoss Zimmer 15 abzugeben."[14]
Einige Austauschvereine begannen mit der Übersendung älterer Veröffentlichungen für den Wiederaufbau , weitere Buch- und Geldspenden kamen aus dem Kreise der Mitglieder. Da die Buchsendungen an den Verein für die Geschichte Berlins, z. Hd. Stadtbibliothek Berlin C 2, Breite Str. 36 adressiert waren, erklärt dies einen Teil der jetzt von der Zentral- und Landesbibliothek verwalteten Bestände des Vereins. Auch aus dem zerstörten Deutschen Dom geborgene Schriften wurden in die Stadtbibliothek verbracht. Die Stadtbibliothek lagerte 1944 teilweise Kisten nach Friedland in Böhmen und nach Rügenwalde/Pommern aus. Die Behältnisse aus Friedland wurden nach Kriegsende von der Tschechoslowakei zurückgegeben, aus Rügenwalde kam nichts. Um die Bauruinen in Berlin hatte sich nach dem Krieg das Hauptamt für Hochbau zu kümmern. Dieses erklärte im August 1945, während der Besetzung durch die Russen seien die zum Schutz gegen Fliegergefahr im Keller der Parochialkirche eingelagerten Güter (u. a. Urkundenbücher und Bilder des Vereins für die Geschichte Berlins) „in weitgehendem Umfang durchsucht, in Unordnung gebracht und in vorläufig nicht feststellbarem Ausmaße zerstört worden. Durch die Abteilung Raumgestaltung im Hauptamt für Hochbau ist in wochenlanger Arbeit der Beginn einer Ordnung gemacht worden, um die Zurückgabe des Bergungsgutes an die Besitzer vorzubereiten. Mitten in diese Arbeit ist von unbekannter Seite ein brutaler Eingriff erfolgt, indem Teile der in Ordnung befindlichen Sammlungen nach einer uns als laienhaft zu bezeichnenden Vorstellung vom Wert der Einzelstücke zusammengepackt und ins Ermelerhaus verbracht worden sind."[16] Die Abteilung Volksbildung des Magistrats teilte dem Vereinsvorsitzenden Kügler am 15. Februar 1946 auf Anfrage mit, dass nun das Berliner Stadtarchiv mit der treuhänderischen Verwaltung des noch vorhandenen Eigentums des ehemaligen Vereins für die Geschichte Berlins beauftragt worden sei, vorbehaltlich endgültiger Verfügungen bei Neuzulassung des Vereins.[17] Nach den Wirren der Nachkriegszeit befinden sich heute geringe Bestände aus Bibliothek und Archiv in der nach dem Kriege wiederaufgebauten Vereinsbibliothek, wesentlich mehr in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und im Landesarchiv Berlin.. Die teilweise geretteten Fontane-Autographen des Vereins lagern nach einer zu DDR-Zeiten zwischen der Stadtbibliothek und dem Fontane-Archiv geschlossenen Vereinbarung im Fontane-Archiv Potsdam. Einzelhandschriften, Ansichten, Stiche und Pläne aus dem Eigentum des Vereins sind im Besitz der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (Historische Sammlungen). Aus „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins" 4/2009 Anmerkungen
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Bereits im Gründungsjahr bestimmte der Verein den Stadtarchivar von Berlin, Ernst Fidicin, zu seinem ersten Bibliothekar. Dieser verwahrte die Anfangsbestände in besonderen, dem Verein gehörenden Schränken innerhalb des Stadtarchivs im Berliner Rathaus. Das geänderte Vereinsstatut von 1870 nannte die „ Anlage einer Sammlung von Büchern, Manuscripten, Plänen, Zeichnungen, Medaillen, Münzen usw. sowie die Herstellung eines möglichst vollständigen Repertoriums der auf die Geschichte Berlins bezüglichen Archivalien"[1] - mithin die Schaffung von Bibliothek und Archiv - als Aufgabe des Vereins.
1935 enthielt die Bibliothek 8500 Werke in 20.000 Bänden , darunter die Berliner Adressbücher von 1865 bis 1932. Die Aufstellung der Bücher nach den laufenden Eingangsnummern ohne Rücksicht auf den Inhalt der Werke erwies sich auf die Dauer als nicht haltbar. Sachlich zusammengehörige Werke standen in verschiedenen Schränken der beiden unteren Büchereizimmer oder in den oberen Räumen.